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von Volksgeist und Volksseele zurückzugreifen, verständlich zu machen versucht.Die Arbeit der VK gilt nicht der Dingwelt, sondern dem Dingträger, dem Volks-menschen, ihre Aufgabe ist „die Erhellung des geistig-seelischen Lebens des-Menschen im Volksraum“, „die seelisch-geistige Struktur des Menschen in derVolksgemeinschaft“ (Vortrag Seite 77, 85). Die VK. sucht „den Herzschlag desVolkslebens und dessen gestaltenden Rhythmus zu erlauschen“ (eb, Seite 78) usw.Spanier hat auch folgenden Satz geprägt: „die primitive Denkweise ist keinvorgeschichtliches Überbleibsel, sondern... ein festes Element im geistig-seelischen Haushalt der Gattung Mensch.“
Vor allem aber wird diese Art von Volkskunde mit Bezug auf die Naturvölkergetrieben und liegt alsdann den sogenannten Ethnologen ob. Über diese sprechenich im 17. Kapitel.
Gegen die mechanische Übertragung der mentalite primitive auf die Unter-schichten der Kulturvölker wendet sich Heinrich Harmjanz in seinemschon genannten Buche: Volk, Mensch und Ding 1936. H. will die VK. verselb-ständigen und nicht als „Völkerkunde“ angesehen wissen. Wir werden diesenProblemen im folgenden Kapitel noch ihren tieferen Sinn abzugewinnen suchen.
Neben und zum Teil gegen diese ethnosoziologische Lehre vom Volke IIIhaben sich in neuerer Zeit (alte Traditionen wieder aufnehmend) andereAuffassungen der Volkslehre gestellt, die vielmehr auf Volk II und I ihrAugenmerk richten. Diese Auffassungen gestalten sich zur
2. Ethno-Politik, wenn sie zum Mittelpunkt ihrer UntersuchungenVolk II machen in der Weise, wie Max H. Böhm es in seinem 1932 er-schienenen Buche: „Das eigenständige Volk“ tut, das den Untertitel führt:„Volkstheoretische Grundlagen der Ethnopolitik und Geisteswissenschaften“.
Böhm möchte eine „Volkstheorie“ schaffen. „Diese Volkstheorie, nach derein unleugbares theoretisches und praktisches Bedürfnis besteht, kann als einePrinzipienlehre der Ethnopolitik, zugleich aber auch aller derjenigen Wissen-schaften gelten, die als ,Deutschkunde', als ,italienische' Literaturgeschichte, als,Völkerpsychologie oder ,Volks‘kunde konkret oder allgemein mit dem ethnischbestimmten Volksbegriff arbeiten...“ Die Aufgabe dieser Volkstheorie „istnun die, dieses ,Volk‘ überall da, wo es gleichsam als Suppositum oder als Op-positum sichtbar wird, theoretisch ebenso klar zu umreißen, wie die Staatslehredem Staate gegenüber versucht.“ Max H. Böhm , Volkstheorie in der Zeit-schrift „Der Ring“ 25.1.1931. „Während die überkommene Volkskunde“, meintderselbe Gelehrte, „sich weitgehend zur Unfruchtbarkeit dadurch verurteilt hat,daß sie nur engbegrenzte Lebensäußerungen des Volks, das Urtümliche undPrimitive und damit das Vorgeschichtliche in den Mittelpunkt stellt, gehen wirvom entwickelten Volk der Gegenwart in dem uns umgebenden Kulturkreis ausund stoßen nur von da aus in frühere und schließlich auch prähistorische Zeiten,in ferne Räume und Kulturen... Es geht uns um die besondere Wirklichkeitund damit um die besondere Idealität des Volks und Volklichen inmitten derVölkerwelt, in die uns der Schöpfer gestellt hat.“ Eigenständiges Volk, Seite 12.
Neben die Ethno-Politik tritt
3. der Ethno-Nationalismus, wie man diejenige Richtung inner-halb der Lehre vom Volk nennen kann, die Volk I zum Gegenstand ihrer