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dritten Teil dieses Buches gehört, wo ich vom Werden und Vergehen derMenschen und Völker zu handeln habe.
Diese Bevölkerungsstatistik, die für die folgenden Angaben die Quelleist, erfaßt die Bevölkerung als unterschiedslose, gleichsam nackte, Men-schenmasse, stellt ihre räumliche Verbreitung und die zeitliche Änderungihrer Größe fest, sodann aber auch ihre Gliederung nach gewissen natür-lichen Merkmalen, wie Geschlecht oder Alter und untersucht endlich dieGründe ihres jeweiligen Standes, die sie in den Geburten, den Todesfällenund Wanderungen findet.
Sie bildet heute in allen zivilisierten Staaten den wichtigsten Zweig deramtlichen Statistik und zerfällt üblicherweise in die drei großen Ab-teilungen der Statistik des Bevölkerungsstandes, der Bevölkerungsbewe-gung und der gesundheitlichen Verhältnisse (der Medizinalstatistik). Sieist die bei weitem wichtigste Quelle zur Erkundung der leiblichen Be-schaffenheit eines Volkes neben der die auf privaten Untersuchungen be-ruhenden, statistischen Feststellungen, die sich meist auf einzelne leiblicheMerkmale, wie Schädelumfang, Augen- und Haarfarbe und ähnlichesbeziehen, nicht ins Gewicht fallen.
Die Bevölkerungsstatistik wird wohl auch Demographie genannt,doch steht die Bedeutung dieses Ausdrucks nicht fest. In strenger Wort-bedeutung sollte Demographie die einfache Beschreibung des Volkes, undzwar des Staatsvolkes (Demos) heißen, also den Sinn der alten Achen-wall sehen Statistik haben, während Demologie die Theorie vom Staats-volke bedeuten könnte.
Uber Sinn und Handhabung der Bevölkerungsstatistik ist folgendes zubemerken: sie erfaßt, wie ich schon sagte, das Volk als Bevölkerung,das heißt als ungegliederte, unverbundene Menschenmenge, als „primär-soziale Masse“ (von Mayr), deren „Elemente“ die Einzelindividuen inihrer Nacktheit sind. Die Erkenntnis dieses Gegenstandes erfolgt am voll-ständigsten, „wenn erschöpfende Beobachtung sämtlicher Elemente, ausdenen sie zusammengesetzt ist, vorliegt und wenn diese Beobachtung zu-gleich in exakter Weise, d. h. mittels Zählens und Messens durchgeführtwird, so daß möglichst erschöpfende Vielzahlen gleicher oder doch ähnlichgearteter und als gleichbehandelter sozialer Elemente sich ergeben.“ Die sogeartete wissenschaftliche Erforschung sozialer Massen nennen wir ebenStatistik. Und zwar bezieht sich das Zählungswerk üblicher- und sinn-vollerweise — auf den festumschriebenen Kreis der Angehörigen des(Staats-) Volks oder seiner Teile. Es ist unnütz, ja falsch, in dem Bestre-ben, eine möglichst „große Zahl“ der Untersuchung zugrunde zu legen,größere Massen als Beobachtungsobjekt zu nehmen, etwa die ganze Mensch-