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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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heit, da es sich gar nicht um die Ermittelung der allgemein-menschlichenoder irgendwelcher übernationalen, sondern eben der nationalen Eigenarthandelt, auch nichtBevölkerungsgesetze durch die Statistik gewonnenwerden, sondern Völker in ihrer Besonderheit erkannt werden sollen.

Die große Bedeutung gerade der Statistik als Erkenntnismittel liegt aberin der Ersetzung unsicherer und subjektiv gefärbter Urteile, die auf Grundvon Beschreibungen und Schilderung der Zustände oder von oft allzu ge-wagten Errechnungen gefällt werden, durch wertfreie, zahlenmäßige undsomit objektiv zuverlässige Feststellungen.

Diese statistischen Feststellungen beziehen sich auf einzelneFälle, dieaber verschieden geartet sind und deshalb auch auf verschiedene Weisebehandelt werden müssen.

Es gibt Fälle, die die ganze Person betreffen, in denen diese als ungeteilteEinheit, als schlichte Eins erfaßt wird: Geburtsfall, Todesfall, und es gibtandere Fälle, die bestimmte Eigenschaften der Person bezeichnen, in denen-also die körperlich-natürliche Unterschiedlichkeit der einzelnen Personenifestgestellt werden soll, möge sie sich in Rassenmerkmalen kundtun, wieFarbe, Körpergröße, Schädelform, oder in individuellen Eigenschaften, wiedauernden, schweren Gebrechen: Blindheit, Taubheit u. dgl. m.

Je nach der Beschaffenheit der Fälle muß die Darbietung, verschiedensein. Handelt es sich um Einheitsfälle, so genügt die Feststellung der Ge-samtzahl und die Errechnung ihres ziffernmäßigen Verhältnisses zur Bevöl-kerung, dem Volke, das heißt also, die Errechnung des Durchschnittes: auf1000 Einwohner entfallen soundsoviel Geburts- oder Todesfälle.

Im andern Falle der differenzierten Ermittelung dagegen würde dieDurchschnittszahl irreführen: wenn einer 180 cm, der andere 160 cm mißt,so ist es unsinnig zu sagen: die Durchschnittsgröße betrage 170 cm, dievielleicht überhaupt nicht vorkommt. Hier empfiehlt sich eine Feststellungder einzelnen Fälle nach Gruppen oder Klassen. Nur im Falle einersym-metrischen Dispersion der einer gleichartigen Kategorie angehörigenEinzelerscheinungen um eine stärkst vertretene Erscheinungsform ist eineDurchschnittsberechnung allenfalls zulässig. Und nur in diesem Falle hatdie Fiktion deshomme moyen Quetelets einen Sinn. Dieser.mittlere Mensch ist dannder normale Mensch, der Durchschnitts-mensch,das Mittel, um das die Elemente der Gesellschaft oszillieren,ein:fingiertes Wesen, bei dem alle Vorgänge den in bezug auf die Gesellschaftresultierenden mittleren Ergebnissen entsprechen.Vergleicht man,:führt Q u 61 e 1 e t, a. o. A. S. 23 aus,die verschiedenen Individuen einesVolkes, so erhält man Mittelwerte, welche das Gewicht und den WuchsAusdrücken, wie man sie dem mittleren Menschen dieses Volkes beilegen