Ob man alle diese Typen — und welche von ihnen — noch unterscheidenund bestimmen könnte, wenn man sie nackt und ohne charakteristischeHaartracht photographierte, lasse ich dahingestellt.
Die vielen schönen Abbildungen, die unsere völkerkundlichen Werkezieren, sind also eine mehr oder weniger erfreuliche Augenweide, je nach-dem es sich um eine hübsche, junge Samoanerin oder ein altes Buschmann-weib handelt: wissenschaftlichen Erkenntniswert haben sie keinen.
(Anders — ja man kann sagen: umgekehrt — steht es mit den Rasse-bildern: Sie haben in unserm Erkenntnisprozeß eine grundverschiedeneFunktion. Sie sollen keinen Typus einer schon vorgegebenen Gruppe vonMenschen darstellen, sondern sollen einen solchen schaffen. Das Bildniseines Menschen von bestimmtem Aussehen — ganz gleich welchem — dasman herstellt, weil man es für charakteristisch hält, dient dazu, die Men-schen ausfindig zu machen und zu einer Gruppe im Geiste zusammenzu-fügen, die dem Vorbilde gleichen und die man dann eine Rasse nennt, wenndie ihnen anhaftenden Merkmale erblich sind. Hier hat also das gute Abbildeine entscheidende Bedeutung bei der Gewinnung der Erkenntnis, und manwird sagen dürfen, daß die heutige Rassenkunde ohne die Entwicklung derphotographischen Technik, die wir schon für die Wiederbelebung der Phy-siognomik verantwortlich machen konnten, ihren hohen Grad der Ver-feinerung nicht erreicht haben würde. Wie hätte man die unzähligenNuancen im Aussehen der verschiedenen „Rassen“, etwa in der Linne-schen Weise, beschreiben sollen?! So schöne Bücher wie die von Güntheroder C1 a u s s sind ohne die sie schmückenden Bildnisse gar nicht denkbar.)
Wenn schon die bildliche Darstellung einzelner Volksgenossen nicht hin-reicht, ein Urteil über die leibliche Beschaffenheit eines ganzen Volkes zufällen, so ist das beschreibende Verfahren noch viel wenigerimstande dazu, selbst wenn es etwas vollkommener als in den Anfängengeübt würde. Der Mangel, der auch ihm anhaftet, ist der Mangel, derjedem induktiven Verfahren eigen ist: der Schluß aus dem beobachtetenFalle auf die Gesamtheit der Fälle wird immer ein gewagter, ja — er wirdunzulässig sein, wenn man nicht sicher ist, es mit gleichartigen oder min-destens sehr ähnlichen Fällen zu tun zu haben. Das ist der Grund, weshalbgewissenhafte Völkerforscher immer bestrebt sein werden, ihre Erkennt-nisse nach Möglichkeit auf das zweite der obengenannten Ermittelungs-verfahren aufzubauen: das statistische. Von diesem ist noch einiges zubemerken, ehe ich einige Ergebnisse der Statistik mitteile.
Um was es sich für uns handelt, ist die Bevölkerungsstatistikim engeren Sinne, da die Äthiologie des Bevölkerungswesens in den