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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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Erster Abschnitt

Die individuellen Verschiedenheitender Menschen

Zehntes Kapitel: Das Problem und seine Behandlung

I

Im ersten Teile dieses Buches haben wir festgestellt, daß das Menschen-geschlecht Züge aufweist, die ihm als solchem eigen sind, die also demGattungsbegriffMensch angehören. Die Einsicht, die wir jetzt gewinnenmüssen ist die: daß die einzelnen Menschen individuellverschieden sind, wie die Angehörigen jeder Gattung.

Die Bedeutung dieser Verschiedenheit für die Gestaltung des mensch-lichen Daseins und damit für die Bestimmung des Menschengeschlechtsliegt zu Tage. Dessen Schicksal hängt in jeder Beziehung ab von der jewei-ligen Eigenart der Menschen, die es formen: das individuelle Dasein nimmteinen anderen Verlauf für den Leichtblütigen und den Schwerblütigen; dieGestaltung der Gesellschaft wird bestimmt durch den Unterschied der Ge-schlechter in der Familie, durch die Beschaffenheit der Menschen, die dieStaaten gründen und die sie auf bauen; über die Gestaltung der Kulturentscheidet die verschiedene Begabung derer, die die Kulturleistungenhervorbringen.

Aber auch abgesehen von alledem: das gesellschaftliche Getriebe wärenicht denkbar ohne die Verschiedenheit der Menschen oder wenigstensdoch ihr verschiedenes Aussehen. Darüber haben schon oft die Menschenphilosophiert, wie folgende anmutende Stelle aus einem alten Schriftstelleres erweist.

Man muß aber nicht denken, daß diese so große Unterschiedlichkeit derGesichter so von Ohngefehr ohne Ursach oder ohne weisen Rath anzutreffensey. Denn das war höchst notwendig, vielen großen Verdrießlichkeiten zuentgehen, die in der bürgerlichen Gesellschaft sonsten entstehen müssen.Man bedenke doch, was vor ein verwirrter Zustand in dem gemeinen Leben

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Sombart: Vom Menschen

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