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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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Zweiter Abschnitt

Das Volk

Dreizehntes Kapitel: Das Urkollektiv und seine Erscheinungsformen

I

Bisher haben wir in diesem Teile, der die Menschen zum Gegenständehat, von Einzelindividuen und ihren Verschiedenheiten gehandelt: jetztbetrachten wir Gruppen solcher einzelner. Menschengruppen haben wir nunfreilich im Verlaufe der bisherigen Untersuchung auch schon kennengelernt.Aber sie waren anderer Art als diejenigen, von denen jetzt die Rede ist. Diefrüheren Gruppen waren reine Gedankengebilde, die wir um des Systemeswillen selbst schufen: Gruppen von Menschen mit denselben Eigenschaftenoder denselben Veranlagungen: Die Schönen, die Dummen usw.; Gruppen,die ausschließlich in unserer Vorstellung bestanden; nennen wir sie fiktiveGruppen. Die nunmehr zu behandelnden Gruppen sind Gruppen, die wirnicht bloß in Gedanken uns vorstellen, sondern die wir in der Wirklichkeitvorfinden. Sie mögen reale Gruppen heißen und bestehen aus Menschen,die durch irgend etwas anderes als nur durch unsere Vorstellung Zusam-menhängen und die wir, wenn sie eine räumliche Einheit bilden, Kollektivanennen wollen.

Die Gruppen, von denen hier zu handeln ist, tragen nun aber auch unterden realen Gruppen ein besonderes Gepräge. Sie sind keine Gebilde vonMenschenhand, wie diejenigen Gruppen, mit denen sich die Gruppen- undGestaltlehre, das, was man früher Soziologie nannte, beschäftigt. Erinnernwir uns, daß wir in diesem ganzen Buche mit der Gruppen- und Gestaltlehrenoch nichts zu tun haben, sondern nur bemüht sind, deren Grundlagen zulegen. Deshalb kommen für uns an dieser Stelle nur solche Gruppen inBetracht, die ähnlich oder ebenmäßig, wie wir es bei der Betrachtungder Individual-Eigenschaften feststellen konnten (siehe Seite 120) derGestaltlehre gleichsam vorgegeben sind, die also die Grundlage für denAufbau alles Menschenwerkes bilden helfen, die in einem anderen Bilde,