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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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Dritter Abschnitt

Die Völker

V orbemerkung

Nach der Übersicht, die ich auf Seite 170 f. gegeben habe, handle ich indiesem dritten Abschnitt die Völker künde oder besondere Volkslehre ab,die sich mit den Eigenarten der einzelnen Völker zu beschäftigen hat. Wieebenfalls schon angekündigt, werde ich diese Eigenarten in ihrer leiblichenund ihrer seelisch-geistigen Erscheinung, also die sichtbaren und die unsicht-baren Eigenarten, getrennt betrachten, was in den beiden folgenden Ka-piteln (16 und 17) geschehen wird, um dann noch in einer besonderen Ab-handlung, die den Inhalt des 18. Kapitels bilden wird, denjenigen Problemennachzugehen, die sich aus der Verschiedenheit der Völker ergeben.

Sechzehntes Kapitel: Die leiblichen Verschiedenheiten der Völker

I

Auf zwei Wegen ist man zu einer Feststellung der Eigenartender Völker gelangt. Der eine dieser Wege war der, der über die Beob-achtung fremder Völker und ihre Besonderheiten führte. Dieser Wegist wohl am frühesten von den Griechen beschritten worden zu einer Zeitschon, in der viel ältere Völker wie die Chinesen sich noch für das einzigeVolk auf Erden hielten. Denn schon Homer ist ja voll von Betrachtungenüber fremde Volksstämme und Odysseus hat ja viele Städte und die Sittenvieler Menschen gesehen und weiß davon zu berichten. Man wird, glaubeich, wie schon Kant es getan hat (ohne sich dessen Begründung zu eigenzu machen), diesen Sinn für fremdes Volkstum als eine europäischeEigenart ansehen dürfen. Sie hängt mit dem allgemeinen, dem Europäer-tum zugehörigen individualistischen Zuge zusammen, der dann im Innernder Staaten zu dem uns eigenen Aufbau auf Grund einer reichen Gliede-rung von Machtvollkommenheiten und Schichtungsverhältnissen (Grund-herrschaft! Polis!) aus freiheitlichem Geiste führt. Mannigfaltigkeit ist das