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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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Rasse betont: der durch Disraeli in den 1840er Jahren begründetePan-Semitismus.

Früher noch als diese Pan-Bewegungen, schon seit der Erschließung derNeuen Welt und neben jenen Bestrebungen her, bildet sich bei sämtlicheneuropäischen Völkern die Überzeugung aus, daß sie allen übrigenVölkern der Erde überlegen und damit das war der treibende Gedanke zur Herrschaft über sie berufen seien.

Dieselbe Überzeugung hegen die Angehörigen der andern großenMenschengruppen: die Mongolen, die Araber, die Neger usw.

Es ist nur eine Kontrastwirkung dieser Übersteigerung des Eigenwert-Bewußtseins eines einzelnen Volkes, daß sich am andern Pol ein Volk oderVölker finden, die, von allen Vorzügen des besseren Menschtums entblößt,nur Gegenstand des Abscheus und der Verachtung sind: Pariavölker.

Bekanntestes Beispiel der Geschichte: die Juden als Gegenstand desAntisemitismus.

Aber auch die Neger sind lange Zeit als Auswurf der Menschheit, ja alsTiere angesehen worden, um ihre Versklavung zu rechtfertigen. Ein Mann wieMontesquieu konnte noch folgende Sätze schreiben:On ne peut se mettredans lesprit, que Dieu, qui est un ötre tres-sage, ait mis une ame, surtoutune ame bonne, dans un corps tout noir: il est impossible que nous suppo-sions que ces gens- soient des hommes; parce que si nous supposions que cesgens- soient des hommes, on cominenceroit ä croire que nous ne sommespas nous mömens chretiens (!) Esprit des Lois Livre XV. Ch. V.

Und noch im Jahre 1900 erschien in den Vereinigten Staaten ein Buchunter dem Titel:The Negro-a Beast, but created with articulate speech andhands, that may be of Service to his master the white man.

Fragen wir nach denGründen solcher Art Bewertung der Völker, somüssen wir uns klar darüber sein, daß diese Gründe keineVerstands- oderVernunft-Gründe rationes sein können, das heißt, daß jene Stufen-ordnungen der Völker nicht nach einem objektiven Werteschema, auf Grundeinwandfrei festgestellter Tatsachen mit der Absicht, allgemein gültigesWissen zu erlangen, aufgestellt sind, sondern daß sie, wie ich schon sagte,cum ira, sine Studio zustande gekommen sind und die rein subjektive Mei-nung des bewertenden Volkes zum Ausdruck bringen. Was man als ihreGründe gelten lassen kann, sind nichts anderes als Beweggründe causae, deren sich freilich eine ganze Menge namhaft machen läßt. Es sind be-stimmte, allgemein verbreitete Eigenarten der menschlichen Natur.

Von diesen kommen etwa folgende in Betracht: