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der Größe eine größere politische und militärische Macht verbunden zusein pflegt. Derjenige Begriff, der sich im 19. Jahrhundert ausgebildet hatund der dazu verhilft, mindestens eine Zweiteilung der Völker in solchehöheren und niederen Grades vorzunehmen, ist der der Großmächte,die durch ihre bloße Existenz eine Vorzugsstellung vor den „kleinen Mäch-ten“ genießen, wie etwa in einem Hundezwinger die große Dogge und derBernhardiner vor den Pinschern und King-Charles-Htindchen.
3. Fragt sich, ob auch auf dem Gebiete der Leistungen sich meßbareVerschiedenheit der Völker und damit ein Oben oder Unten, ein Höher oderNiedriger, ein Besser oder Schlechter feststellen läßt. Die Frage ist zubejahen. Wozu wären denn die Tests da?
Man kann also beispielsmäßig durch „I n t e 11 i g e n z p r ü f u n g e n“feststellen, ob ein Volk „begabter“, also doch wohl „wertvoller“ als einanderes ist: wenn etwa der Prüfling mehr Silben in der Minute nachsteno-graphiert.
Die bisherigen Ergebnisse der Testversuche sind allerdings noch nichtsehr ergiebig für die Lehre von der Abstufung der Völker gewesen. Siehaben fast immer zu dem Ergebnis geführt, daß die Unterschiede der „Be-gabung“ nicht auf völkische oder rassische, sondern auf Umweltverschie-deuheiten zurückzuführen sind. Aber hier können noch überraschende Er-folge erzielt werden. Zu hoher Entwicklung ist bereits jetzt das Testver-fahren, wenn man es hier so bezeichnen darf, für die Feststellung der leib-lichen Beschaffenheit und Leistungsfähigkeit der Völker gelangt: durch dieWettbewerbe in den internationalen Sportveranstal-tungen, namentlich auf den Olympiaden. Will man hier eine Hierarchieder Völker aufstellen, in der die Gesamtheit der sportlichen Leistungen inBetracht gezogen wird, so muß man die Völker bewerten nach der Zahl dergoldenen und silbernen Medaillen, berechnet auf die Zahl der Einwohnerdes Landes, unter Ausschluß des Landes, in dem gerade die Olympiade statt-findet, da hier die Zahl der Beteiligten zu groß ist, um einen Vergleich zu-zulassen. Daß der Zufall bei der Erlangung der Medaillen eine Rolle spielt,ist unzweifelhaft. Immerhin gewährt ihre Zahl doch einen ungefährenAnhalt für die Rangordnung der Völker.
Ist es aber nicht augenscheinlich, daß alle diese Feststellungen einer ein-wandfrei nachgewiesenen Überlegenheit des einen Volkes über das andereimmer nur eine Seite der Volksbegabung oder Volksleistung hervorkehren,und daß diese noch dazu immer eine nebensächliche ist? Kann man aufGrund solcher Tests eine hierarchische Ordnung der Völker feststellen, inder diese als Ganze bewertet werden?