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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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Dasjenige, was bei dem Umbildungswerke, das heißt bei dieser Verän-derung der äußeren Naturumgebung durch den Menschen herauskommt,nennt man mit einer sehr wohlwollenden, wenn auch reichlich schiefenBezeichnungKulturlandschaft und setzt diese der Naturlandschaftgegenüber. Wie sich durch die Entstehung der Kulturlandschaft die Um-welt des Menschen von Grund auf ändert, werden wir an einem andern Ortefestzustellen Gelegenheit haben: siehe das 26. Kapitel!

Es ist wohl eine Art von Angstgefühl, das die Menschen unserer Zeit an-gesichts der raschen und anhaltenden Zerstörung und Verunstaltung dernatürlichen Landschaft dazu bewogen hat, sogen. Naturschutzparksanzulegen, in denen man die Dinge beläßt, wie sie Gott geschaffen hat, undwie sie sich aus eigener Lebenskraft gestalten. Das dürfte das Zukunfts-bild sein, das sich hier vor unseren Augen auftut: Natur nur noch alsmusealer Gegenstand.

III

Es bleibt noch zu berichten von dem Siege des Menschen überdas Leben, einen Vorgang, der uns in der vorausgehenden Darstellungschon verschiedentlich begegnet ist, den ich aber hier im Zusammenhängebehandeln möchte, um seine große, grundsätzliche Bedeutung noch stärkerhervortreten zu lassen.

Unter einem Siege des Menschen über das Leben ist keineswegs alleinzu verstehen die Vernichtung des Lebens. Auch den Feind im Kriege kannman besiegen, ohne ihn zu töten und kann den Sieg auf andere Weise aus-nutzen. So handelt es sich also im folgenden zwar auch um Vernichtungdes Lebens durch den Menschen, daneben aber auch um das Gegenteil: Er-haltung und Förderung, vor allem aber um Ersetzung oder Ergänzung desLebens durch Geistgebilde. Denn der Geist ist es im Menschendasein, derüber das Leben den Sieg davonträgt und damit wiederum auch diesemVorgänge, auch in anderer Beziehung, sein besonderes hoministischesGepräge gibt.

Zunächst also siegen wir über das Leben dadurch, daß wir es ver-nichten. Das ist nun freilich an und für sich keine menschliche Eigen-tümlichkeit: auf Vernichtung des Lebens beruht der ganze, große Lebens-vorgang des Alls: Pflanzen und vor allem Tiere töten unausgesetzt, um sichselbst am Leben zu erhalten. Das Menschliche tut sich darin kund, daß derGeist es ist, mit dessen Hilfe wir töten, und daß er in ganz anderem Um-fange töten kann als das einzelne Lebewesen. So bringt der Mensch esfertig, wie wir schon festgestellt haben, ganze Floren und Faunen zu ver-nichten; er tut das aus dem Grunde, weil er einen sehr großen Bedarf an