ausgebaut worden ist 222 ). Aber auch der C o m t e sehe „Positivismus“ istdurchgängig milieugläubig (bis T a i n e ihm das Konzept verrückte) 223 ).
Wenn man die drei verschiedenen Gestalten, in denen die Milieutheorieauftritt, zu einem Ganzen vereinigt, so kann man von einer totalenMilieutheorie sprechen. Vielfach werden die verschiedenen Bestand-teile der Milieutheorie bewußt in ihrer Abhängigkeit voneinander und inihrer Bezogenheit aufeinander dargestellt. Schulbeispiel: das Großstadt-milieu, besonders wo es als Großstadtklima in die Erscheinung tritt. Diesesist ein zweifellos physikalischer Tatbestand, der ebenso zweifellos sozialenUrsprungs ist: „Klimaschöpfung“ H e 11 p a c h s ! 224 ).
Mit diesen letzten Betrachtungen sind wir nun aber schon in die Gedanken-gänge des folgenden Unterabschnitts dieses Kapitels eingemündet, in demich die Gegenbewegung gegen die Milieutheorie zur Darstellung bringenwollte.
II
Mit allgemeinen Zweifeln an der ausschließlichen Geltung der Milieu-theorie, für die man aber noch keine rechten Gründe anführen kann, fängtes an. Ich denke an die Bedenken, die der herrschenden Theorie gegen-über etwa Voltaire oder A. Ferguson oder auch der deutsche Über-setzer von F a 1 c o n e r schon im 18. Jahrhundert geltend machten.
Bald aber faßt die Kritik festen Fuß und setzt dem Milieugedankenandere Grundsätze entgegen. Das geschieht, soviel ich sehe, zuerst vomRasseglauben aus. Einer der ersten, der von hier aus die Milieutheoriebekämpft, ist der Engländer H. Home (Lord Kaimes) in seinem 1774in zwei stattlichen Quartbänden erschienenen Werke, das den Titel trägt:Sketches of the History of Man. Hier wird in dem First Sketch die Existenz,verschiedener konstanter Menschenrassen (fast scheint es: Arten) behauptet,die nicht vom Klima gebildet werden, sondern umgekehrt je einem be-stimmten Klima zugehören.
Mit dem Beginne des 19. Jahrhunderts häufen sich dann die Stimmen, diediesen rassistischen Standpunkt vertreten. Eine der gewichtigsten ist die-jenige Alexander von Humboldts , der seine Ansichten in folgen-dem Satze zusammenfaßte: „Die Einflüsse des Klimas und aller äußeren Ver-hältnisse sind ein verschwindendes (!) Moment dem gegenüber, was Rassen-charakter wirkt, die Gesamtheit der dem Menschen eigentümlichen, sichvererbenden Anlagen.“ Er sucht seinen Standpunkt durch Beibringungzahlreicher Beispiele zu begründen, die er seiner persönlichen Erfahrungentnimmt 225 ).