Druckschrift 
Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
Seite
394
Einzelbild herunterladen
 

394

Mit großer Schärfe wird dann der Gedanke der Rassenbeständigkeit demMilieugedanken entgegengesetzt in der schon mehrfach erwähnten Schriftvon Peyroux de la Coudreniere: Memoire sur les sept especes etc.,1814. Grob lehnt er B u f f o n ab mit den Worten:il est inutile de nousamuser... sur ces vieilles hypothöses que Buffon a ressuscitees (p. 11). DerVerfasser ist auch einer der ersten, die die Ansicht vertreten, daß die weißeRasse in Gefahr ist zu degenerieren, sei es durch Mischung, sei es durchErbkrankheiten. Er verficht deshalb mit großer Leidenschaft die Grund-sätze einer durchgreifenden Eugenic.

Als entschiedener Gegner der Milieutheorie und Anhänger der Rassen-konstanzhypothese erweist sich dann auch der für die Geschichte des Rasse-gedankens so bedeutungsvoll gewordene W. F. Edwards, der in seineruns bekannten Schrift nachzuweisen versucht, wie gering der Einfluß desKlimas gegenüber der Konstanz der Rasse sei. Dabei führt er als Haupt-beweisstück für die Richtigkeit seiner Annahme an: die Konstanz desjüdischen Typs seit der Cena des Leonardo da Vinci!

Daß die Rassenmerkmale das Erbgut unveränderlich sei und keinemMilieueinfluß unterliegen, wird dann bis zum heutigen Tage von einem Teileder Rassenforscher (keineswegs von allen) als ihre Meinung vertreten. Esist ersichtlich, daß diese Ansicht die polygenetische Hypothese des Ursprungsdes Menschengeschlechts zur Voraussetzung hat, da auf Grund der Annahmeeiner einheitlichen Herkunft des Menschen die Verschiedenheit der Rasseimmer nur aus dem Einfluß der Umwelt erklärt werden kann.

Der zweite Widerspruch, der gegen die Milieutheorie laut wurde, kamvom Leben her: man vermißte an der Milieutheorie die hinreichendeBerücksichtigung der Selbsttätigkeit, die das Leben in der Gestalt des Orga-nismus über das von Lamarck angenommene Maß hinaus auf dessenBildung ausübt. Man habe, so wandte man ein, bei der Anpassungstheorievergessen, daß die Anpassung kein rein leidender Vorgang sei, sondernimmer auf dem Zusammenwirken einer inneren und einer äußeren Kraftberuhe. Wie es Goethe schon einmal, für alle Zukunft gültig aus-gesprochen hatte (Maximen und Reflexionen, 4. Abteilung) in einer Würdi-gung der Stiedenrothsehen Psychologie:Alle Wirkungen des Äußerenauf das Innere trägt er unvergleichlich vor [die ganzeReiz-Psychologiedes 19. Jahrhunderts vorwegnehmend. W. S.] und wir sehen die Welt noch-mals nach und nach entstehen. Aber mit der Gegenwirkung des Innerennach außen gelingt es ihm nicht ebenso. Der Entelechie, die nichts aufnimmt,ohne sichs durch eigene Zutat anzueignen, läßt er nicht Gerechtigkeit wider-fahren, und mit dem Genie will es auf diesem Wege gar nicht fort... usw.