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Brotkornproduktion und Zusammenziehung der Exportindustrie nehme derGesamtumfang der Erwerbsgelegenheit keineswegs notwendigab; er verteile sich nur anders zwischen Landwirtschaft und In-dustrie. „Die wachsende Landwirtschaft zieht Arbeitskräfte an, statt siewie heute abzustoßen und erweitert zugleich den innern Markt für dieIndustrie. Diese neuen Erwerbsstellen sind aber für die Dauer ge-schaffen. Und wo hätte der Arbeitslohn höher gestanden als in denVereinigten Staaten , in der Zeit jener großartigen Landwirtschafts-politik, die dem industriellen Kapital die Arbeitskraft vom Mundewegnahm?" (S. 44.)
Der Satz, daß das Volk, und die Arbeiterschaft, interessiert sei„an der Produktivität der Landwirtschaft", ist richtig. Der Satz,daß das Volk, und die Arbeiterschaft, interessiert sei „am Rohertrageder Landwirtschaft", ist — allgemein ausgesprochen — falsch.
Daß der Rohertrag der nationalen Landwirtschaft gehoben werde,ist vielmehr, so wie die Verhältnisse heute bei uns liegen, das Interesseder „an der Rentabilität interessierten Landwirte". Denn dieseHebung des Rohertrages läßt sich nur bewirken entweder durch Ein-beziehung minder fruchtbarer, bisher nicht bebauter Böden oder durchstärkere Inanspruchnahme bereits bebauter Böden bei „abnehmendemErtrage" — so oder so unter Minderung der durchschnittlichen Pro-duktivität der agrikolen Arbeit. ^) Die Folge wäre: Steigen desPreisniveaus der agrikolen Produkte und Steigen der Grundrente,Fallen des Lohnes.
Das Interesse des Volkes ist, daß solche Minderung der Pro-duktivität verhütet werde, solange sie eben verhütet werden kann;die Hebung des Rohertrages der Landwirtschaft entspricht dem In-teresse des Volkes nur unter der Bedingung, daß sie unter Erhöhungder Produktivität, wenigstens unter Aufrechterhaltung des bisherigenStandes der Produktivität, erfolgt. Das Interesse der Arbeiterschaftist nicht, daß „der Gesamtumfang der Erwerbsgelegenheit"gleichbleibe, sondern daß die Produktivität der nationalen Arbeit durchBetrieb nur der derzeit produktivsten Arbeitsarten auf das erreichbareMaximum gebracht werde, und damit das Maß des Erwerbes derArbeiterschaft. Wie die Verhältnisse heute bei uns liegen — in Nord-amerika lagen sie zur Zeit der „großartigen Landwirtschaftspolitik"einigermaßen anders —, widerspricht die „andere Verteilung derErwerbsgelegenheit zwischen Industrie und Landwirtschaft" ihrem
„Schon jetzt wird" — sagt Th. v. d. Goltz in seinen „Vorlesungen" —„ein größerer Teil des Ackerlandes mit Getreide bebaut, als nach wirtschaftlichenGrundsätzen zweckmäßig ist."