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Interesse, entspricht ihm die weitere Entfaltung der Industrie, als desderzeit produktiveren Zweiges der nationalen Arbeit.
Von agrarischer Seite hört man oft sagen: kraft zu erwartenderFortschritte im agrikolen Betriebe und Fortschritte der agrikolen Technik,werde höherer Rohertrag ohne Minderung der durchschnittlichen Pro-duktivität der agrikolen Arbeit erzielt werden, ohne Steigen von Preisund Grundrente, Fallen des Lohnes; es müsse nur zunächst einmal dasPreisniveau „lohnender", die Landwirtschaft „besser gestellt" werden— dann werde der Aufschwung kommen.
Diese optimistische Prognose des Aufschwunges der Landwirtschaftim Zeichen einer „nationalen Eigenwirtschaftspolitik" würde sich aberals nicht minder falsch erweisen wie jene pessimistische Prognose des„Zusammenbruchs" der Industrie im Zeichen einer „breitspurigenWelthandelspolitik"! Wenn die deutschen Landwirte heute, wo sie derausländischen, preisdrückenden Konkurrenz unterliegen, diesen Druckdurch Vervollkommnung des Betriebes, durch Ausnutzung der technischenErrungenschaften nicht — wenigstens in ihrer Mehrzahl nicht — zuParieren vermögen, nicht im Stande sind, durch Erhöhung der Pro-duktivität (Hebung des Rohertrages bei gleichbleibenden Produktions-kosten oder Minderung der Produktionskosten bei gleichbleibendem Roh-ertrag) die Preisbaisse wettzumachen — weshalb sollten sie es denndann können, wenn sie das Alleinrecht auf den inneren Markt errungenhätten? Nichts würde sich ändern — nur der Trieb, so billig alsmöglich zu produzieren, würde, wenn dieser Fall einträte, schwächer seinals heute; die dank dem Monopole gegebene Gewähr der Renta-bilität würde dem Streben nach Erhöhung der Produktivität zuSchaden gereichen.
Gewiß ist eine Hebung des Rohertrages der deutschen Land-wirtschaft unter Erhöhung der Produktivität noch vielerwärts möglich;durch zahlreiche Beispiele kann diese Möglichkeit erhärtet werden. Aberdie Wahrscheinlichkeit, daß sie erfolge, ist größer, wenn die deutschenLandwirte unter dem Zwange des Mitbewerbes der Fremde stehen^),als wenn sie die inländischen Konsumenten unter dem Zwange ihresMonopols halten.
Soweit es gelingt, die inländische Kornproduktion zu mehren, ohnedas „Gesetz des abnehmenden Ertrags" heraufzubeschwören — soweitvollzieht sich die „Pflege des landwirtschaftlichen Rohertrags durch ver-mehrte landwirtschaftliche Arbeit" (Oldenberg) und die damit sich er-