XXV
In der Stiftungsnrkunde war eine svlche nicht vorgesehen. Indieser ist nnr von „Vortragen und Uebungen" die Ncde. Aber da dieZeit dieser Vorträge und Nebungen so gewählt werden soll, daß sie vonMännern, welche in ihrem Berufe thätig sind, nebenher benutzt werdenkönnen, mit anderen Worten, da diese Thätigkeit der Stiftung ans dieAbendstunden verwiesen ist, deren ersprießliche Verwendung für svlcheZwecke in den Svnimerinvnaten crfahrnngsmäßig als ausgeschlossengelten niuß, so würde die Stiftung mit Vvrträgcu uud Uebungenallein, gleich vielen Vereinen, nur zu einer intermittircnden Thätigkeitgelangen. Ja sie wäre insofern noch übler daran, als diese, derenTheilnehmer doch wenigstens formell durch das Band einer fort-dauernden Mitgliedschaft zusammengehalten werden, und genöthigt, ihrPublikum sich im Frühjahr in alle Wiude zerstreuen zu lassen, umes dann im Wiutcr aufs Neue zu sammeln.
Um dieser Calamität zn entgehen, gab es kein anderes Mittel, alsdie Einschiebung eines auch im Sommer fortwirkenden Bindegliedesund das konnte kanm etwas anderes sein, als eine Bibliothek.
Bibliothek und Lesesaal mußten den durch die Stiftungsurkuudean die Hand gegebenen Bildungsmitteln hinzugefügt werden, um ihnenStabilität zu geben. Darüber war sich das Direktorium der Gehc-Stiftuug klar, ehe diese ihre Thätigkeit eröffnete, und verwendete deshalbdas der Vorbereitung gewidmete Jahr 1884 vornehmlich zur Anlegungeiner solcheu, nicht einer Volksbibliothek — denn deren gab es schonzur Genüge — sondern einer stantswissenschaftlichen Fach-biblivthck, an der es in Dresden fehlte, wenn auch einige Zweigeder Staatswisscuschasten schon in der königlichen öffentlichen, der Stadt-bibliothek und den Bibliotheken der beiden statistischen Bnreaus, desköniglichen und des städtischen, mehr oder minder ausgiebig berück-sichtigt wurdeu.
Auf letztgcdachten Umstand nahm auch das Revidirtc Statut vom30. November 1893 Rücksicht, indem es in Z§ 29 und 30 folgende Be-stimmungen traf:
Zur Förderung des Selbststudiums unterhält die Gehe-Stiftung einestaatswissenschaftliche Bibliothek mit einem Lesezimmer.
Die Bibliothek der Gehc-Stistnng soll zwar dazu beitragen, das; fürstaatSwisscnschaftliche Studien das literarische Material iu Dresden möglichstvollständig zu finden und dem öffentlichen Gebrauche zugänglich sei; eS sollaber bei den Anschaffungen auf das in anderen Dresdener Bibliotheken zufindende Material Rücksicht genommen werden.