164
IV. Die Landschaft.
hart war berühmt durch seine Eichen, die mächtigen Bäume, dieer entwarf. Man muß die brieflich an ihn gesendete Kritik einesbefreundeten Malers, des damals in Neapel lebenden, freilich vonKotzebue bitter verhöhnten Heinrich Schmidt über ein Bild prüfen,um des Künstlers Art zu verstehen. Denn Schmidt war sich unver-kennbar der Zustimmung Reinharts in der Art der Beurteilungsicher. Die Komposition, sagt Schmidt, und damit sprach er wohldas entscheidende Lob aus, ist eine poetische Harmouie. Eiue solche,nicht eine malerisch vollendete Landschaft, die Wiedergabe eines be-stimmten Natureindruckes war damals, wie es heute noch für vieleist, das eigentliche Ziel des Kunstzweiges. Alle die individuellenGegenstände sind, fährt er fort, charakteristisch dargestellt, so daßauch der Botanicus seine Untersuchung im ersten Plane (das heißtdem Vordergrund) machen kann. Also zeichnerische, wissenschaftlicheRichtigkeit der Pflanzen als Ergebnis des Naturstudiums. Dannweiter: die Bäume sind sehr wahr, doch hätte ich einen minder voll-blätterigen Baum auf die linke Seite gewünscht, der einen gutenGegensatz mit dem anderen gegenüberstehenden gemacht hätte. Rein-hart wählte ebeu das Edle in der Form der Bäume, Schmidtaber wünschte aufzulösende Dissonanzen.
Die Grundart von Reinharts Schaffensweise, wie sie hierauserhellt, findet sich in allen seinen Bildern bis an sein Lebensende.Er war ein gesellschaftlich anregender, sich gesund und kraftvollauslebender Mann, der von jedem als ein ganzer Kerl und alseine vornehme, liebenswürdige Künstleruatur anerkannt wurde. Aberseiu Schaffen ging in echter Größe nur so weit, als es der Wahr-heit gegenüber in die Tiefe reichte. Als eifriger Jäger und Fuß-wanderer kannte er Land und Fluß, Berg und Baum; als einhochgebildeter Mann wußte er diese mit den durch die zeitgenössischeWelt ziehenden Stimmuugen in Einklang zu setzeu und somit durchseine Bilder die Welt zum Entzücken zu briugeu. Aber die Naturlebt nicht in seinen Bildern, denn sie sind ein Anfban aus desLebens entkleideten Teilen. Keine Waldwiese, sondern ein Stranßgepflückter, oft gar gemachter Blumen; alle Glieder sind in ihremAusbau wieder aus Gliedercheu zusammengesetzt; die Wahrheit zer-bröckelt sich, um eiuer großeu Unwahrheit zu dienen. Bänme wie