Reinhart.
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klingen zu lassen. So erklärt ihn Riegel, indem er die geschichtlicheLandschaft dem Stimmungsbilde gegenüberstellt: dieses ist lyrisch,jene episch oder dramatisch. Daß die Landschaft auch landschaftlichsein könne, war damals in Rom noch niemand in den Sinn ge-kommen. Riegel hat es auch später nicht begriffen.
Neben Koch war Johann Christian Neinhart der ge-feiertste unter den deutschen Laudschaftern iu Rom . Auch seineBilder waren im wesentlichen geschichtlich. Nicht die Naturallein, sondern diese in Beziehung zn einem bemerkenswerten Vor-gang war das Ziel seines Schaffens. Er wollte nicht der NatnrUnterthan werden, nicht sich ihr gegenüber verlieren, sondern wolltesie nach seinen Idealen meistern können. Denken Sie vor allenDingen daran, schrieb er seinem Schüler Adolf von Heydeck ,Ihre Studien für eiu Gemälde zu nützen. Der Pfarrer studiertja, um zu predigen. Mäßigen Sie sich in der fleißigen Ausführungder Studien. Sie halten sich sonst unnötigerweise zu lange beieinem auf. Richtiger Ton und Charakter der Sache muß da sein— suchen Sie daher große Formen. Sie werden das erst rechteinsehen, weun Sie Bilder malen, wieviel man bei den Studien weg-lassen muß, weun man sie brauchen will! Es ist dies jene Lehre, dieauch im vergangenen Knnstabschnitt verkündet worden war. Nichtwollte sie, wie die gleichzeitigen und jüngeren norddeutscheu Maler,die Wahrheit um jedeu Preis, sondern eine allgemeine, nur an dieHauptformen sich haltende wurde gesucht. Der Maler soll sich mitwahrheitlicher Form erfüllen und aus dem Vollen selbständig schaffen;der Ton ist nicht draußen zu suchen, er muß da sein, das heißt erist aus alter Kunst als feststehend herüberzunehmen. Die großenFormen, sagt Reinhart weiter, sind eben in der Natur nicht, oderdoch uicht so enthalten, wie die Maler sie brauchen. In ihr herrschtstets der Ausbau aus kleinen Formen, nur durch diese wird siewirklich verständlich. Will man zur selbständigen Erkenntnis desGroßen kommen, so ist der beste Weg der, sie aus dem Kleinenheraus zu erkennen. Die Schullehre aber wollte solche allzu fleißigeAusführung nicht. Man sollte mit dem Sehen des Großen be-ginnen, nnd soweit man dies that, blieb man notwendig in der
Manier dessen haften, der das Große zu sehen gelehrt hatte. Rein-
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