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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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Kampf mit der Kritik.

Menschen lassen sich nicht auf dem Wege des Nachdenkens inachen,sie müssen sprossen, geboren werden!

Auch die in Rom lebenden Künstler konnten sich trotz ihremidealistischen Streben der Kritik nur mit Mühe erwehren. Sie saßenan einem sehr ausgesetzten Posten. Waren die nordischen Künstlerübersehen, kaum genannt worden, so wetzten an jenen in Rom dieästhetischen Schulen ihre Messer. Werkstättenbesuche gehörten damalszum guteu Ton in der vornehmen Gesellschaft, und die in der ewigenStadt lebenden .Kunstgelehrten waren stark in Anspruch genommenals Führer und Erklärer, natürlich auch vielumworben von denKünstlern, die ihre Werke zu verkaufeu besorgt sein mußten.Koch erzählt, wie ihn der gelehrte Staatsmann Niebuhr durch seinKunstgeschwätz belästigt habe. Er flüchtete beim Nahen des Be-suches und suchte beim Rauchen seiner Pfeife Geduld, währendjener stundenlaug an die Frau des Malers seine guten Lehrenablud. Zu dieser Flucht vor der Gelehrsamkeit gehörte eingewisser Mut, denu Niebuhr vertrat Preußen am päpstlichen Hofe.Daß sich die Maler mit leidenschaftlichem Eifer gegen die Kunst-schreiber auflehnten, ist ein Zeichen für den nachgerade unerträg-lich werdenden Druck, den die Kritik auf die Künstler ausübte.Schon der Maler Müller schrieb in seinem Angriff auf Fernoweinen Mahnrnf gegen das Eindringen der Wissenschaft in die Kunst:Die eigentliche Ursache, welche das Aufkommen des guten Ge-schmackes hindere, liege in der Unfähigkeit, heutzutage au der Kunstsich zu interessieren, in dem unförmlich aufgeklärten Jahrhundert,worin der menschliche Geist durch eine für seine innere Harmonieuud moralische Gesundheit unproportionierten Wissenssucht uud un-gewöhnliches Bestreben, seine politische Existenz zu erhöhen, für denGenuß, der aus beschaulichem Vergnügen entspringt, abgestumpftworden ist. Daher werde Räsonnieren höher geschätzt, als Dar-stellen, das mittelmäßige Kunstgeplander mehr als die Hand desgeschicktesten Künstlers.

Die Klagernfe kehren häufig wieder; so wiederholt von Koch;zuerst l798. Koch führt keinen zierlichen Degen, sondern hautmit dem Flegel um sich. Es liegt in der Natur der Künstler, daßsie keine spitzen Kritiker sind, aber leicht ein böses Manl haben;