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IV. Die Landschaft.
ja, daß sie sich darauf gern etwas zugute thun. Koch hatte einböses Maul von der aller ergötzlichsten Art. Dnrch seine Schriften ziehtsich das breite Lachen der Kneipe, er schimpft auf das los, was ihuärgert ohne viel Rücksicht uud viel Überlegen, aber stets mit einemWitz, der darum uicht schlechter ist, weil er meist sehr derb aus-fällt. Feruow war der erste, desseu neblichte Wissenschaft er an-rempelte. Andere folgten in seinem Zorn. Die Lügen im Süden,sagte er, sind das Lesefutter für den Pöbel des Nordens. Dnrchdas häufige Wiederkäuen ihrer Begriffe von Ideal und Schönheitwerden sie verdächtig, so daß klug wie dumm sich ihres Lobesschämt. Solche Kunstdeklamatoren seien auf das Empfinden undThränenvergießen abgerichtet wie Huude aufs Tanzen, empfindsameDampfmaschinen. Die Kunstintoleranz der Gelehrteil sei eben sogiftig und unversöhnlich als die religiöse und politische. Ihr Ein-fluß auf die bildende Kunst und das moderne Leben führe zursklavischen Nachahmung der äußeren Form. Koch ist ein viel zudichterisch angelegter Mensch, um nicht Goethe zu verstehen und zuwürdigen. Aber gerade, daß die geistreichste Feder der ödesten Kunstdas Wort reden muß, hat ihn sein ganzes Leben hindurch in Zornerhalten.
Namentlich Goethes Eintreten für Hackert und Zahn erbittertedie Römer. Zahns Nachbilduugen antiker Malereien aus Pompeji und Herculaneum hatten 1830 eine glänzende Besprechung gefunden,als seien sie nicht bloß eine wissenschaftliche, sondern auch einekünstlerische That gewesen. Koch poltert mächtig gegen die Über-schätzung der Kopistenarbeit, gegen den Pansenmacher, den hohlenZahn, der Kommissionsreisen nach Griechenland und Egypten macheund selbst ganz Indien durchzupausen drohe. Er geht in seinerGrobheit immer zu weit, sagt immer mehr als er wohl verant-worten konnte; in den Maschen der hundert Jahre nach seinenSchriften geltenden Gesetzgebung würde er sich auf Jahre langverfangen haben. Aber wer vom Lesen des endlosen Süßholz-geraspels der Idealisten kommt, dem thut der fröhlich-grimmigeBanernton Kochs in tiefster Seele wohl. Wir wollen kein steifes,frostiges, unbewegliches Kunstsystem! ruft er hinaus; es lebe diereizende lnudschaftliche Natur, die heimatlichen Gegenden des Claude