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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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Antike Gottheiten. Begas ,

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ewigen Ideale der antiken Schönheitswelt schwärmen; so viel stehefest, daß sie immer nur formaler Natur sein können. Werde daherdie Antike heute ernst genommen, so erscheine sie als Aufwärmnngthatsächlich nicht lebensfähiger Gedanken, entweder nüchtern, lügen-haft mit oder ohne Absicht, oder wir müssen sie ironisch nehmen.Ihm ist daher der ironische Weg der einzig richtige in der Behand-lung alter Gedanken.

Und man wird dem Ästhetiker wohl recht geben müssen. Dennselbst die ganz ernst gemeinten Werke machen doch ein wenig lächeln.Nur stimmt dieselbe Ausführung auch auf die Batlernmalerei undauf die Geschichtsmalerei, überhaupt auf neuu Zehntel aller stilistischenKunst. Vor allem aber auf die beliebtenPersonifikationen". DerRhein , der Abend, der Ruhm und wie sie alle heißen, die immerantiker Form und im Gruude antiken Inhalts sind. Denn es sindaus Begriffen Gottheiten gebildet, wie dies die Römer in ihrerGeistesnüchternheit anch machten. Und wer kann diese Gottheitenfür mehr nehmen, als für eine Spielerei gelehrter Leute!

Trotzdem wirkte es als eine Erlösung, als endlich einmal einerkam, der es mit demHumor" etwas ernster nahm, der wirklicheine lustige Stimmnng in die Bildnerei brachte an Stelle der be-dächtigen, schöngeistigelt Witzlein. Denn das Lustigseiu, das hatteer von Böcklin gelernt, ist anch ein ernstes Ding. Es warReinhold Begas . Natürlich erfolgte zunächst ein Entrüstnngs-schrei darüber, daß er um ein Weniges realistischer in der Dar-stellung solcher Borgänge wurde. Das war Aufgabe der Idealitätder reinen Form, der hehren Weihe hellenischer Schönheit. LudwigPietsch hatte Begas 1864 mit einem Jubelhymnus als den Bringerdes Neuen begrüßt. Seine Venusgruppe sei ein Werk, wie es seitMenschenaltern uicht tinter dem Modellierholz oder Meißel desBildhauers hervorgegangen sei, hier sei die Knnst schöner Sinnlichkeitwieder gekommen, hier sei ein Meister, der in seinen eigenen Schuhenstünde, ein aus eingeborener Machtfülle frei schaffender Geist, derkeine ältere Kunst benutzte. Die Natur selbst uud allein, in ihrerewigen Gesundheit, Größe und Schöne war Meister und Lehrer undder naivste Genius Erzeuger dieser Werke! Liest man recht? Schriebdas wirklich Pietsch, der Geguer der Jüngsten; oder schrieb es einer