Wärmelehre um 1800,
7
lichkeit nur Bewegungserscheinungen seien; wenn ein Stahlbohrer ineinen Zylinder aus Geschützmetall immer tiefer eindrang uud Spauaus Span von diesem loslöste, stieg unaufhörlich die Temperatur desumgebenden Wassers, ohne daß irgend ersichtlich war, wieso nenerWärmestoff zu dem allenfalls vorhandenen hätte hinzutreten köuueu.Seit 1778 befand sich Rnmford im Besitze dieser nenen Thatsachen,aber erst mit dem Jahre 1796 begannen die Veröffentlichungen,welche großes Aufsehen erregten und mehrfach zur Wiederholungdes Gruudversuches anreizten. Ein später sehr berühmt gewordenerenglischer Naturforscher, Humphry Davy (1773—1829), gestalteteweiter aus, was sein Vorgänger nur angedeutet hatte, und sein„Rssav on Nsat, I-igkt, anä tks <üomlziuation8 ok IZsat." (Postumediert) darf als eine erste Programmschrift der modernen Physikangesehen werden, für welche es keine grundsätzlich verschiedenenNaturkrüfte, sondern lediglich äußerlich verschiedene Bethätigungender einen, umfassenden Energie giebt. Es kam hinzu, daß durchRumford und I. Leslie (1766—1832) die Normen, welche dasVerhalten der sogenannten strahlenden Wärme regeln, als mit denoptischen Grundgesetzen wesentlich zusammenfallend erkannt wordenwaren. Gerade das Jahr 1800, in welchem auch F.W.Herschel (1738—1822) die Existenz dunkler Wärmestrahlen aufdeckte, welchekeinen Eindruck auf unsere Netzhaut hervorbringen, dafür aber dasjenseits der roten Farbe gelegene Ende des Sonnenspektrums stärkererwärmen, kennzeichnet einen bedeutsamen Wendepuukt in derEntwickelung der Wärmelehre, wenn auch freilich Jahrzehute ver-gehen mußteu, ehe aus den einstweilen nur fragmeutarisch anein-andergereihten nenen Wahrnehmungen die vollen Konsequenzengezogen werden konnten.
Gewaltig war in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts dieElektricitätslehre gewachsen. Wenn wir fürs erste nur die alther-gebrachte Erregung auzieheuder und abstoßender Kräfte durch Rei-bung ins Auge fassen, so stand jetzt eine ganze Anzahl sinnreicherdachter Apparate zur Verfügung, welche große Leistungen miteinem Minimum von Kraftauswaud hervorzubringen gestatteten.Lichtenberg hatte die von R. Symmer (gest. 1763) gegenB. Frauklin (1706—1790) versochtene Meinung, es müßten zwei