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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
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8 I. Der Staudpunkt der Naturwissenschaften nm die Wende deS 18. Jahrhunderts.

verschiedene Elektricitätsarten, eine positive nnd eine negative, ange-nommen werden, zum Siege geführt, und die noch jetzt seinenNamen tragendenFiguren" schienen diese Zweiteilung unwiderleglichfür jedermann zu erhärten. Anknüpfend an die teilweise ingroßem Maßstabe ausgeführten Versuche Grays, Dufays, LeMonniers u. a., hatte Franklin die atmosphärische Elektricitäterforscht und im Anschlüsse daran den ersten Blitzableiter konstruiert eine Entdeckung, die dadurch nicht geschmälert wird, daß schon1754 der mährische Geistliche Divisch (16961765) eine ganzentsprechende Vorrichtuug wirklich an einem Hause angebracht hatte.Durch Canton, Aepinus, Bergman und Wilke war man aucheiuer ganz anderen Elektricitütsquelle auf die Spur gekommen, derPyroelektricität, welche sich zeigte, wenn mau die beiden Endengewisser Krystalle ungleich erwärmte. Ein französischer PhysikerA. Coulomb (17661806), lieferte diesen Zweigen der Experi-mentalphysik um das Jahr 1784 den bisher schmerzlich vermißten,sehr hohe Schürfe verbürgenden Meßapparat, mittels dessen auchschwache Polarkräfte numerisch bestimmt und verglichen werdenkonnten; die Kraft, mit welcher irgend ein gedrehter Faden in seineRuhelage zurückstrebt, ist auch später noch vielfach für ähnlicheZwecke ausgenützt worden. Insbesondere ließ sich nunmehr auchdaran denken, den vom Znstande der umgebenden Luft abhängigenZerstreuungsverlust abzuschätzen, welchen jede elektrisch geladeneOberfläche im Laufe der Zeit erleidet.

Allein das Interesse au der Neibungs- und Thermoelektricitäthatte eben zu erkalten begonnen, weil eine neue Naturkraft, derenVerhalten zu den beiden vorgenannten Kraftformen erst zu er-mitteln war, gebieterisch allseitige Beachtung erheischte. Zwarkannte man schon geraume Zeit die Eigentümlichkeit gewisserFische, beim Berührtwerden kräftige Schläge auszuteilen; hatteman doch schon in der antiken Medizin daran gedacht, dieseKraftäußerung für die Therapie zu verwerten. Es lag nahe, anden Entladungsschlag einer elektrischen Batterie zu denken, zumal daWalsh uud Huuter eigenartige Organe im Leibe solcher Tiereaufgefunden hatten; aber mit Bestimmtheit war der Satz, daß einespecifisch tierische Elektricität existiere, erst von L. Galvani (1737