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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Das Ende der Phlvgiswmhevvie,

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Priestley hatte auch Scheele (1774) das Oxygengas aus Braun-steiu gewonnen, aber trotzdem und auch ungeachtet zahlreicherwichtiger Funde im Bereiche der organischen Chemie blieb erder phlogistischen Lehre treu, mit welcher sich alle bisherigenErfahrungen ganz gut zu vertragen schienen. Erst die Berück-sichtigung des quantitative« Elementes durch Lavoisier konntehier Wandel schaffen.

Der herrschenden Theorie nach sollte der Verbrennungsprozeßsich in der Weise vollziehen, daß aus den brennbaren Körpern einunbekanntes Etwas im Zustande äußerster Feinheit austrete, dassogenannte Phlogiston. Bei der Verbrennung, dachte man sich,entweiche diese Materie in die umgebende Luft, und was als AscheoderMetallkalk" zurückbleibe, sei einfach der ursprüngliche Stoffohne Phlogiston. Wäre dem so, dann müßten diese Residuenleichter als die mit dem Agens der Verbrennung noch verbundenenKörper sein, und au eine Gewichtszunahme konnte in keinem Falle,selbst wenn man dem Phlogiston die Eigenschaft der Wägbarkeitabsprach, gedacht werden. Indem aber Lavoisier, gleichfalls indem für die Entwickelung der Chemie fo bedeutungsvollen Jahre1774, mit der Wage in der Hand die Gesamtheit der in Fragekommenden Vorgänge prüfte, gelangte er zu einem unerwarteten,der alteu Hypothese direkt widersprechenden Ergebnis: Die Ver-kalkung macht die Metalle um ebensoviel schwerer, als die um-gebende Luft leichter geworden ist. Genauere Untersuchung zeigte,daß sich der Sauerstoff der Atmosphäre bei der eigentlichen sowohlwie bei der langsamen Verbrennung dein Verrosten mitdem festen Körper verbunden und in diesem eine Veränderunghervorgerufen haben mußte. Die Thatsache selber war freilichschon 150 Jahre früher von Rey wahrgenommen nnd von Mayowin ziemlich spitzfindiger, dem Geiste der älteren Chemie angepaßterWeise zu erklären versucht worden, aber erst Lavoisier deckte durchunangreifbare Schlüsse die wirkliche Ursache auf, für deren Nichtig-keit auch bald die hervorragendste» französischen Fachmänner, C. L.Graf Berthollet (17481822), A. F. Foureroy (17SS1809)uud L.B. Guytou de Morveau (17371816), gewonnen waren,so daß nur noch I. C. de la Metherie (17431817) den immer