Mathematische Geographie um 1800.
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beweguug der Fixsterne verschwindet seit dein letzten Jahrzehntdes 18. Jahrhunderts nicht mehr von der wissenschaftlichen Tages-ordnnng.
Man darf es wohl aussprechen, daß in der Zeit, deren Cha-rakteristik uns au dieser Stelle zur Pflicht gemacht ist, die Astro-nomie am weitesten voraus war und alle übrigen Disziplinenunseres Arbeitsgebietes an innerer Durchbildung wie an äußerenErfolgen überragte. Welch gewaltigen Nutzen die Erdkunde ausihrer uahen Verwandtschaft mit der Himmelskunde zog, ist bereitsangedeutet wordeu; wenigstens die Küstenumrisse der großen Kon-tinentalmassen waren ihrem Verlaufe uach bekannt, und auch inihrem Inneren fehlte es nicht mehr an befestigten Punkten. Erstneuerdings hat man recht klar eingesehen, welch gewaltiges Maßvon Anstrengung der große Erforscher der Antarktis und derBering-See , I. Cook (1728—1779), daran setzte, die von ihmentdeckten Orte nach Breite und Länge genan zn fixieren. Inletzterer Hinsicht war den Nautikern, seitdem durch I. Harrison(1693—1776) die Verfertigung der Chronometer, dnrch L. Euler und Tob. Mayer die Herstellung verlässiger Mondtafeln unerwar-tete Verbesserungen erfahren hatten, ihre Ausgabe ganz ungemeinerleichtert worden. Im 16. Jahrhundert, als sie zuerst in die Welttrat, hatte die Idee einer Bestimmung von Zeit- oder Läugcndiffe-renzen durch tragbare Uhreu uoch keine Aussicht ans dereinstigepraktische Verwertung, aber die Sachlage hatte eine durchgreifendeÄnderung erfahren, und ein gleiches konnte von der annäherndgleich alten Methode der Monddistanzen behauptet werden. Aucheiu anderes Bindeglied zwischen Geographie und exakter Wissenschaft,die Kartographie, war eine ganz andere geworden. Nicht nnr hatteman, wie die Namen Bonne, Lorgna, Murdoch u. a. beweisen,eine Fülle neuer Regeln zur Übertragung der Kngelfläche auf dieEbene unter gegebenen Bedingungen aufgestellt, sondern auch dieallgemeine Kartenprojektiouslehre war vou I. H. Lambert(1728—1777), Euler und I. L. Lagrange (1736—1813) zumGegenstände von Abhandlungen gemacht worden, denen die dankbareNachwelt die Bezeichnung klassisch nicht vorenthalten konnte. Undgleichzeitig übertrug man in Holland und Frankreich das aus der
Günther, Anorganische Naturwissenschaften. 2