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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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19
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Meteorologie um 18VV.

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Nur in einem Falle, in dem der Meteorologie, bewährte sichdiese Regel nicht, aber freilich trifft die Schuld, ausschließlichdie Meteorologen selbst, welche, in tiefgreifender Verkennungdes wahren Wesens der Dinge, im Wechselspiele der atmo-sphärischen Faktoren nur die Nachwirkung der von den Himmels-körpern ausgehenden Kräfte zu erblicken wähnten. Fast die gesamteWitterungskunde des Jahrhunderts war Astrometeorologie;sei es, daß man mechanisch die Lnstströmungen aus den Gesetzender Anziehung der Planeten, in erster Linie des Mondes, herleitenwollte, sei es, daß man durch mühsame Rechnung meteorologischeCyklen von so und so viel Jahren zu ermitteln trachtete, nachderen Umfluß der Staud der Witterung sich erneuern sollte. Eswar wohl kein Zufall, daß einer der Begründer der modernenStatistik, I. C. Gatterer (17271799) in Göttingen , zu deneifrigsten Befürwortern dieser Art von statistischer Meteorologiegehörte, der es natürlich für immer versagt blieb, eine auch nurhalbwegs befriedigende Wetterprognose hervorzubringen. Manchfruchtbarer Gedanke konnte bei solcher Sachlage nur in engemKreise auch wirklich fruchtbringend wirken; dahin gehören GeorgeHadleys Erklärung der Pasfate nnd Kants wenigstens teilweisezutreffende Deutung der Eigenart der als Monsune bekanntenregelmäßigen Halbjahrwinde des Indischen Ozeans . Erst ziemlichspäter gewahren wir einen prinzipiellen Fortschritt, der allerdingsunmittelbar nur der Klimatologie zugute kam, weiterhin aber dochauch einen engeren Anschluß der Lehre von Wind und Wetter andie mechanische Physik, zu der sie recht eigentlich gehört, möglichmachte. Gemeint ist des Kurfürsten Karl Theodor Schöpfung, dieim Jahre 1780 entstandeneLoeistas NötsoroloZiog, ?s.Ig,t,i>2g,",deren Leiter, der Abt I. Hemmer (17331790), die wahren Be-dürfnisfe der einstweilen auf Irrwegen dahinwandelnden Meteorologiemit seltener Klarheit erfaßt hatte. Indem von der ZentralstelleMannheim aus viele Stationen auf ein übereiustimmendes Be-obachtungssystem verpflichtet und mit vergleichbaren Instrumentenzur Verzeichnung des Luftdruckes, der Temperatur, der Feuchtigkeits-und Windverhältnisse ausgerüstet wurden, durfte man auf die Ge-winnung brauchbarer Dateu hoffen, durch welche einerseits die