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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Physikalische Erdkunde um 1S00,

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oder durch Anwendung der im Augenblicke neuesten Errnngen-schaften der Elektrizitätslehre kausal zu begreifen. Schon hat anchCooks dreimalige Umkreisung der Erde, die zum ersten MaleMenschen bewußt über den südlichen Polarkreis hinausführte, mitder Thatsache bekaunt gemacht, daß nicht nur ein Nordlicht, sondernauch sein antarktisches Analogon, ein Südlicht, existiere. An denUfern des Genfer Sees bildet sich, schon seit dem Ende des17. Jahrhunderts, eine förmliche limnologische Schnle heraus,dereu Mitglieder zumal auf die eigentümlichen periodischen Spiegel-schwankungen ihr Augenmerk richten, uud die Flußkunde erfährteine durchgreifende Förderung seitens der italienischen Hydro-techniker, welche, großenteils nnter dem Einflüsse der zwingendenBedürfnisse ihres Vaterlandes, mit zum Teile ueu erfundenenInstrumenten den Bewegnngsgesetzen des strömenden Wassers ansdie Spur zu kommen suchen. Nicht minder entsteht nach und nacheine exakte Ozeanographie. S. P. Riga ud (17741839) bestimmtmittels der Wage und genauer Karten das Arealverhältnis desflüssigen und festen Elementes auf der Erdoberfläche; schärfereLotuugen setzen den Forscher in den Stand, sich ein richtigeresBild von der Oberflächenform des Meeresgrundes zu mache»;Gezeiteu uud Meeresströmungen treten in das Stadium der wissen-schaftlichen Erforschung ein. Noch um die Mitte des Jahrhundertshatte die Pariser Akademie einen Teilpreis an den CartesianerCavalleri verliehen, der Ebbe und Flut auf den Druck der denWeltraum erfüllenden Ätherwirbel zurückzuführen gedachte; jetzt,am Schlaffe, begründete Laplace in seinerHimmelsmechanik" diedynamische Theorie der großen ozeanischen Wellenbewegung ineiner so mustergültigen Weise, daß die Folgezeit au der grund-legenden Anschauung nichts Durchgreifendes mehr zu ändern fand.Den Golfstrom beschrieb Franklin mit scharssinniger Ausnützungder von den Schiffern eingelieferten Berichte, und während schonviel früher des Grafeu Marsigli am Bosporus gesammelte Er-fahrungen die Verschiedenheit der Dichte benachbarter Meere alsUrsache der in der Verbindungsstraße hin und her gehendenDoppelströmung nahe gelegt hatten, deckte der große amerikanischeEmpiriker in der Windwirkuug deu wesentlichen Grund der die