Druckschrift 
Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

Zweites Kapitel.

Das Interregnum der Naturphilosophie.

Im Jahre 1800 veröffentlichte ein junger Dozent in Jena,G. W. F. Hegel (17701831), eine Dissertation, in welcher ersich anheischig machte, den Grnnd für die dem Anscheine nach vor-handene Lücke zwischen den Planeten Mars und Jupiter in unseremSonnensysteme zu ermitteln. Zwei deutsche Astronomen, Titiusund Bode, hatten ans eine gewisse Gesetzmäßigkeit hingewiesen,welche die Entfernungen der einzelneu Wandelsterne vom Zentral-körper regle; jenes Reihenglied nun, welches auf das dem Mars entsprechende folgte, war zwar arithmetisch vorhanden, aber ihmfehlte das natürliche Gegenstück am Himmel. Da Jupiter ein sehrmassenkräftiger Planet ist, so glaubte Hegel dieser Präponderanzden fraglichen Zwischenraum zur Last legen zu köuuen. Zu seinemNachteile hatte aber jene Schrift die Presse kaum verlassen, alsdie Nachricht durch die freudig bewegte Gelehrteuwelt ging, derunbekannte, seit Kepler vermißte Planet sei thatsächlich auf-gefunden worden. Damit hatte sich also die Erfahrung der Spe-kulation überlegen gezeigt. Als dem Landesherrn, dem in Natur-wissenschaften sehr wohl beschlagenen Großherzoge Karl August,ein Exemplar der Hegelschen Schrift vorgelegt ward, versah er es,wie behauptet wird, mit einem handschriftlichen Vermerke, der fürden Autor und für die von ihm befolgte Methode nicht ebenschmeichelhaft lautete.