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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
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Schellings Naturphilosophie.

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fasfuug, und dieser bestand darin, daß man eine möglichst gelehrteingekleidete Paraphrase der natürlichen Erscheinungen miteiner Naturerklärung verwechselte. Gewiß, auch vielen Forschernder ueuesten Zeit schwebt als ein ebenso bescheidenes wie hohesIdeal das vor, die einzelnen Prozesse möglichst genau zu beschreiben,aber die Natnrphilosophen begnügten sich mit einer wortreichenUmschreibung, durch welche gewöhnlich gar keiu tieferer Einblickin den Sachverhalt erzielt ward.

Schelling jedenfalls hielt sich überzeugt, auf dem richtigenWege zu sein, nnd sein an Jahren älterer, an äußeren Erfolgenaber vorläufig noch ärmerer Genosse Hegel schloß sich ihm damalsnoch mit vollein Vertrauen an. Auf Schellingsche und FichtescheAnregungen war ja die schon erwähnte, zu recht unglücklicher Zeitans Licht getretene Habilitationsschrift zurückzuführen. Schelling begründete, mit Hegels Unterstützung, dieNene Zeitschrift fürspekulative Physik", von der jedoch uur ein einziger, aus dreiHeften bestehender Band bei Cotta in Tübingen (1802) erschien.Man glaubte für die Naturphilosophie die Zeit gekommen, überdie systematische Grundlegung hinauszugehen und die Leistungs-fähigkeit des neuen Verfahrens, die Natur zu erforschen, auch ankonkreten Aufgaben zu erproben. Die geistigen Kosten des Unter-nehmens bestritt hauptsächlich der Herausgeber selbst. Er suchtein der einführenden Abhandlung den Begriff des Absoluten fest-zulegen, suchte Beziehungen der Planetenreihe mit einer neuenKlassifikation der Metalle auf und gab sich der Hoffnung hin, denwahren philosophischen Sinn der Keplerschen Gesetze aufgedecktzu haben. Die Kohäsion ist jene Kraft, welche sowohl denRang der Metalle als anch die Stellung eines Weltkörpers imsolarcu Systeme bestimmt. Wir geben eine die Methode trefflichkennzeichnende These wörtlich wieder. Schelling ersieht eiuallgemeines Gesetz darin,daß nicht nur die Anzahl der Monde,sondern auch die Nähe, in der sie nntcr sich und mit den Haupt-planeten sich befinden, in dem Verhältnis zunimmt, in welchemdie in ihrer größten Energie stehende aktive oder absolute Kohäsionsich zur relativen neigt". Die sogenannten vier edlen Metalle, Gold,Silber, Platin und Quecksilber beschäftigen den Herausgeber in