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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
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II. Das Interregnum der Naturphilosophie.

Programmschriften des Meisters das pädagogische Element, für welchesja auch Schellings großartige Natur zu wenig Sinn hatte, undgab sich mit echtem Professoren eiser daran, durch ein dreibändigesWerk (Lehrbuch der Naturphilosophie", Jena 18081811) diesemMangel abzuhelfen. Dieses Lehrbuch entsprach einem Bedürfnis undhat sogar eine zweite Auflage (1831) erlebt, die freilich dem Nieder-gange, der nun bald ein unaufhaltsamer wurde, uicht mehr steuernkonnte.

Schilling ist, wie wir ja bei den meisten Philosophen einestete Wandelung der Anschauungen wahrnehmen, dem von ihm inden ersten Jahren des neuen Säkulums in Wort und Schriftvertretenen Standpunkte nicht immer treu geblieben, ohne natürlichmit den Leitmotiven seines ganzen Thuus, die nur die ver-schiedensten Formen annahmen, offen gebrochen zu haben. Jeälter er ward, um so mehr steigerte sich seine Neigung zum Über-sinnlichen, um so entschiedener drängte sich in ihm das religions-philosophische Interesse vor. Die Spekulation zog sich hinter die- ihr freilich nahe verwandte Kontemplation zurück. IndemSchelling die Fäden spinnt, welche von ihm zu den neuplatonischenGnostikern und zu Jakob Boehme hinüberleiten, entschwindet erdem Auge des Historilers der Naturwissenschaften.

Anders Hegel . Eine ungleich konsequentere und zäherePersönlichkeit, hat er bis zu seinem Tode, der freilich auch bereitsim 61. Lebensjahre erfolgte, an seinem System, ohne Änderungder Prinzipien, gearbeitet und auch der Naturphilosophie diejenigeEinkleidung verliehen, in der sie noch am ersten den Kampf mitden immer mehr zur früheren Macht zurückkehrenden Gegnernaufzunehmen in der Lage war. Das Abfolute war bei Schelling allen Klürungsbestrebungen zum Trotze ein unsagbarer Begriffgeblieben; indem Hegel, der bald über seinen Meister undKollegen hinauswuchs, jedeu Unterschied zwischen dem Absolutenund der Idee aufhob, schuf er eine neue, rigoros rationalistischeWeltanschauung, in welcher auch die Natur samt den ihr Getrieberegelnden Gesetzen ihre feste Stelle angewiesen erhielt. Ungleichmehr als jener zum Systematiker angelegt, überraschte er dieDeutscheu durch seiue von strengster Geschlossenheit des Denkens