^l!
H. Das Interregnum der Naturphilosophie,
gar weuig zu sagen. Dieses Spielen mit Redewendungen war jaauch ein Teil der schlimmen Mitgist, welche die Naturphilosophiein ihren Bund mit der wahren Naturlehre mitgebracht hatte.Weit schlimmer steht es schon mit dem „Siderismus" (Tübingen 1808); denn dieser verhältnismäßig dicke Band liefert denerschreckenden Nachweis dafür, wie weit ein strebender Geist,Phantomen nachjagend, von dem wahren Wege abgedrängt werdenkonnte. Ein italienischer Bauer, Fraucesco Campetti, erregteseit 1806 in weitesten Kreisen Anstehen durch seine angeblich ihmverliehene Gabe, verborgene Metalle durch das Gefühl zu erkennenund aus Tageslicht zu briugen. P. Thouvenel (1747—1815)bezeichnete diese Knnst, von der man dann auch bald ältere Probenaus der Litteratur beizubringen verstand, als unterirdischeElektrometrie; denn daß das elektrische Flnidum, dieser Helferin der Not, dabei im Spiele seiu mußte, verstand sich ganz vonselbst. Kurz zuvor hatte der geistig klare, skeptisch veranlagteLichtenberg in einer Auseinandersetzung mit S. Cauterzani(1734—1810) den treffenden Satz niedergeschrieben: „Anderehaben in der Elektrizität eiue so allgemein wirkende Ursachegeseheu, daß sie vorläufig schon im Besitze jeder Entdeckung sind,die man künftig von der Seite machen wird." So verhielt es sichauch im vorliegenden Falle. Ritter glaubte sich bald vou derWahrheit der über Campettis Geschicklichkeit umlaufendenErzählungen versichert zu haben und machte nun seiner Akademieden Vorschlag, den Manu nach München kommen zu lassen, damiter unter den Augen der erleuchtetsten Nichter — die königlicheStaatsregierung wird diesen ausdrücklich beigezählt — seine Künstezeigen könne. Die Regierung des Ministers v. Montgelas warzwar sehr aufgeklärt und freisinnig, aber der Gedanke, einenberufsmäßigen Goldsucher zur Verfügung zu haben, mag ihr dochwohl einleuchtend vorgekommen sein; knrz, Ritter erhielt dieMittel, um uicht bloß selbst Campetti in seiner Heimat auf-zusuchen, sondern auch einen Dolmetscher mitzunehmen. Die anOrt und Stelle vorgenommene Prüfung fiel überraschend günstigaus; der Wuuderinann fand die versteckten Metalle „nach derFolge ihrer Oxydabilität". Campetti kam auch wirklich nach