I. W. Ritter.
37
München und wurde der Akademie vorgestellt als ein Mensch vonaußerordentlicher „Erregbarkeit", die ihn befähige, alle möglichen„Elektrizitätserreger" lediglich zusolge ihrer Wirkungen auf seiuNervensystem nachzuweisen. Wenn aber eine Kommission zurUntersuchung des merkwürdigen Falles niedergesetzt werde, so seiihr zu empfehlen, das Medium — Ritter kennt diesen uns jetztbequem gewordenen Namen für solche halbe Übermenschen nochnicht — „mit Freundlichkeit, Liebe und Auszeichnung zu behandeln".Es wurde auch ein dreigliedriger Ausschuß gebildet, aber über deneigentlichen Ausfall des Examens erfährt man durch die wort-reichen Erklärungen Ritters nichts Zuverlässiges. Schellingund der Theosoph I. v. Baader (1763—1835) waren anscheineudentzückt vou dieser uenen Art, Physik zu treiben, aber einigekühlere Kopse, wahrscheinlich unter der Führung S. Th. Sömme-rings (1755—1830), mochten wohl keine Freude empfinden,wenn eine gelehrte Körperschaft von solchem Range sich vor derganzen Welt kompromittierte. Wenigstens weisen die Schlußworteder Ritterschen Schrift, die sonst unerklürbar wären, auf eiueusolchen Ausgang hin. In etwas gekränktem Tone verleihen die-selben der Verwunderung darüber Ausdruck, daß die Prüfungs-kommission nicht mehr Eifer an den Tag gelegt habe. Es istanzunehmen, daß man doch einiges Grauen vor Ritter undseinem Schützling Campetti empfand und sich nicht weiter indie Sache einlassen wollte.
Man kann auch nnr mit tiefem Bedauern Akt nehmen vonder Verirrung, welche über einen so tüchtigen und ernsten Forschergekommen war. Die von ihm kurz vor dem eigenen Tode heraus-gegebenen „Fragmente aus dem Nachlaß eines jungen Physikers"(Heidelberg 1810) vervollständigen den Eindruck, deu man schongewonnen hatte. Auf der einen Seite ein exakter, nach strengenRegeln experimentierender Naturforscher, auf der anderen einnatnrphilosophischer Mystiker, der an die ihn umgebende Körper-welt die eigentümlichsten Fragen stellt nnd sie auf eine noch eigen-tümlichere Weise beantwortet. Geistesblitze, des Genies vollkommenwürdig, wechseln mit Analogiespielereien, die uns oft nichts besseresals Albernheiten zu sein scheinen. Wie richtig und vorschaueud