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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
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II. Das Interregnum der Naturphilosophie.

im vierten Dezennium des Jahrhunderts schuf endlich den nun-mehr schon von vielen ersehnten Wandel.

Eines Mannes aber müssen wir ehrend gedenken, der inschlimmster Zeit nngeschent seine Stimme erhob und den Zeit-genossen einen Spiegel vorhielt, in dem das Bild der Modegott-heit seiner Wirklichkeit nach und ohne die täuschende Schminke,welche ihm seine Verehrer vor der Welt gewöhnlich aufgelegthatten, zu sehen war. Sein Verdienst zu betoneu, ist nmsomehreine Ehrenpflicht, weil er heute so gut wie ganz vergessen zu seinscheint; sogar iu geachteten Werken über Geschichte der Physiksucht mau nach ihm umsonst. Und das hat L. W. Gilbert (1769bis 1824), Professor der Physik und Chemie an der UniversitätHalle, wahrlich nicht verdient. Man wird es also begreiflich finden,wenn wir uns etwas eingehender mit der Monographie beschäftigen,welche er (Halle 1808) gegen gewisse uugesuude Zeiterscheinungen,die er mit Recht als der strengen Natnrlehre gefährlich erachtete,ausgehen ließ.

Das Buch ist zunächst gegen Ritter und dessen oben ge-schilderte Versuche mit sensiblen Menschen gerichtet, aber sein Zweckist doch ein allgemeinerer. Ritter blieb uicht bei seinem MedinmCampetti steheu, sondern er experimentierte auch mit dem soge-nannten Schwefelkiespendel und sogar mit der berüchtigten, ausder mittelalterlichen Magie bekannten Wünschelrute; die spou-taueu Bewegungen dieserInstrumente" sollten Erzlagerstättenoder auch verborgen iu der Erde fließendes Wasser anzeigen, sodaß man auch die Quellenfindung auf diesem Wege erleichternzn können glaubte. Gilbert nahm die Angaben Ritters und seinerGesinnungsgenossen Thouvenel, Amoretti, Schaefferu. s. w.unter seine kritische Lupe und that dar, wie sehr gegen die ersteuRegeln der Experimentierkunst verstoßen worden sei. So fragt erau, ob denn dem Metallsucher Campetti die Augeu verbundenworden seien, denn man habe Beweise dafür, daß ihn in solchemFalle seine übernatürliche Krast stets verlassen habe.Das Gewebevvu Polaritäten", in welches sich Ritter selbst ebensowohl wiedie ihm Vertrauenden eingesponnen hatten, wird mit rauher Handzerrissen. Ein gewisser Marschaux, der in München Campetti