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II. Das Interregnum der Naturphilosophie.
sich nicht a priori durch vom Menschen gemachte Begriffekonstruieren, sondern sie steht über dem Menschen, derja nur eiu Teil ihrer selbst ist, uud erheischt gebieterischdie Anwenduug der induktiven Methode. Ehe man aberdiese Wahrheit, die einem historisch gebildeten Naturforscher kaumverborgen bleiben konnte, in ihrer ganzen Ausdehnung und Trag-weite verstand, mußte mau vorher das entgegengesetzte, unsererEigenliebe weit mehr schmeichelnde Verfahren auf die Spitze ge-triebeu, mußte man die Unmöglichkeit erkannt haben, das Weltallals ein Erzeugnis des Meuschengeistes aufzufassen. Der Hochmutkam zu Fall, die Tyrannis der Bauleute brach sich au demspröden Materials, und so kam man ganz von selbst wieder aufden richtigen Weg. So erscheint uns das, was man zusammen-fassend Naturphilosophie nennt, als eine unvermeidliche Durch-gau gsperiode der Forschung, welche erst überwundeu werdenmußte, ehe die Erkenntnis dessen, was not thut, sich Bahn zubrechen vermochte. Eine Kinderkrankheit der Naturforschung hattedieser keinen bleibenden Schaden gebracht, und nur um so gestärkterkonnte sie ihren Siegeslauf antreten, der bis zum heutigen Tagekeine Unterbrechung mehr erfahren hat.