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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
79
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FraunhoscrS Refraktoren.

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wordene G. v. Reichenbach (17721826) und der National-ökonom I. v. Utzschneider (17631840), langjähriger Bürger-meister der Stadt München , geschaffen hatten. Dasselbe wurde1809 nach dem durch die Säkularisation frei gewordenen KlosterBenediktbeuern verlegt lind in eine speziell optische Anstalt umge-wandelt. Frauuhofer trat als Teilnehmer, zugleich mit demMechaniker I. Liebherr (1767 1840), ein und verschrieb sichaus der Schweiz den ausgezeichneten Glasschmelzer P. L. Guinaud(17441824), der bis 1814 in Bayern blieb und an den baldweltberühmten Leistungen BenediktbeueruS unzweifelhaft eineu sehrehrenvollen Anteil hatte. Es scheint, daß dieser Umstand dnrchdie Schuld v. Utzschneiders, eines Mannes von außerordentlichentwickeltem Selbstgefühle, absichtlich verkannt worden ist; ausRudolf Wolfs Darstellung des Sachverhaltes geht hervor, daßFrauuhofer in der Technik der FlintglaSbereituug von GninandVieles lernen konnte, wogegen natürlich sein Hauptverdienst, derSchliff der Linsen in früher unerreichter Vollkommenheit, durchjene Unterstützung nicht die mindeste Schmälerung erführt. Denner war eben gewiß der erste theoretische Optiker seines Zeitalters,und einer der nächsten Abschnitte wird seinen Arbeiten über die Lehrevom Lichte die gebührende Würdigung angedci henlassen. Seit 1818war Frauuhofer selbständiger Leiter der Werkstätte in Benedikt-beuern, ans welcher die Refraktoren für Bogenhausen (dieMünchener Sternwarte) uud Dorpat , sowie das berühmte Helio-meter sür Königsberg i. Pr. hervorgingen, Instrumente, welcheden Reflektoren sowohl an Reinheit und Vergrößerung der Bilder,wie nicht minder an Bequemlichkeit und Sicherheit der Handhabungweit überlegen waren. Als das Institut 1823 nach München zurück-kam, setzte dessen bisheriger Vorstand als Akademiker nnd Professorseine Thätigkeit daselbst fort, starb aber leider in dem nämlichenJahre, in welchem ihm die Überpflanzung der altbayerischen Landes-universitüt von Lnndshnt in die Hauptstadt einen neuen und größerenWirkungskreis gewährleisten zu wollen schien.

München ist dem Ruhme, ein Vorort der astronomischenHilfswissenschaften zu sein, auch nach einer anderen Seite hin treugeblieben. Wiederum Fraunhofer war es, der die seit Newtons