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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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V. Die Astronomie bis zum Jahre 1846.

sammen mit, W. Herschel , weitaus am genauesten kennen gelehrt.Gerade der treffliche Deutschengländer hatte auch angedeutet, wieman sich der Sternpaare mit verhältnismäßig größter Aussicht aufein besseres Resultat bedienen könne. Dnrch bloße Positionswinkelkann man die Differenz der Parallaxe der beiden optisch oderphysisch miteinander verbnndenen Sterne direkt ermitteln, undwenn man dann die nahe liegende Folgerung zuläßt, daß derminder helle Stern auch der weiter entfernte sei, so wird mandessen Parallaxe ohne nennenswerten Fehler gleich Null setzen undden Minuenden der Differenz als die gesuchte Größe ansprechendürfen. Strnve prüfte nach diesem Versahren den schönen, that-sächlich doppelten Stern Wega in der Leier und fand für ihn eineParallaxe, die allerdings noch etwas zu groß, immerhin aber dochreell war. A. Hall hat sie nachmals noch genauer bestimmt.

Man mußte also nach Struves im Jahre 1840 bekanntgewordener Veröffentlichung zugeben, daß der Winkel, unter welchem,von einem Fixsterne aus gesehen, der Halbmesser der Erdbahn er-scheint, zwar sehr, aber doch nicht unmeßbar klein ist. Etwassrüher schon, nämlich 1837, war Bessel mit einer entsprechendenMitteilung hervorgetreten, die sogar ein noch höheres Maß vonVertrauen verdiente, weil das Instrument, welches zur Bestimmungdes winzigen Richtungsuuterschiedes gedient hatte, sich besser dennirgend ein anderes gerade so seinen Messungen anpaßte. Es wardas schon genannte Heliometer, ein Fernrohr, dessen Objektivlinselängs eines vertikalen Durchmessers durchschnitten ist; gilt es dann,irgend eine Distanz an der Himmelskngel zu messen, so verschiebtman dnrch Drehen einer Mikrometerschranbe die eine Bildhälste,bis eine Berührung stattfindet, und liest an der Schranbenteilungunmittelbar den der Drehung entsprechenden Winkelwert ab.Frannhofers Meisterwerk war, dank der nie fehlenden Vermitt-lung A. v. Humboldts, für Königsberg erworben worden, undunter Bessels Hüuden mußte es hier deu Nachweis seiner Be-fähigung für die feinsten astronomischen Aufgaben erbringen. Ausgauz anderen Gründen hatte Bessel schon 1812 auf den Doppel-stern Nr. 61 im Sternbilde des Schwans als auf ein genauererKeuntiüsnahme sehr würdiges Forschungsobjekt hingewiesen, und