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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Die Bestimmung der Fixsternparallaxcn.

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minmehr zeigte sich an ihm eine Parallaxe, die als reell betrachtetwerden dnrfte. Berechnet man ans ihr nach bekannten trigono-metrischen Regeln die Entfernung des Gestirnes, so ergiebt sichdiese ungefähr als das K00 000 fache der astronomischen Normal-distanz, des Abstandes der Erde von der Sonne. Die Größe dieserStrecken will nicht viel besagen gegenüber der Thatsache, daß derUmlans der Erde um die Sonne dadurch von einer Hypothese zurunumstößlichen Erfahrnngswahrheit erhoben war. Freilich maßteauch schon die Entdeckung der Abirrung des Lichtes zu Guusteneiner trauslatorischeu Bewegnug der Erde interpretiert werden.

Erfreulicherweise giebt es aber doch auch Parallaxen von eineretwas bedeutenderen Größe, uud eine solche ist nahezu gleichzeitigaufgesnnden worden, allerdings an einem Sterne, der in Europa zur Zeit vor etwa 2000 Jahren lagen infolge der sogenanntenPräzession die Dinge anders unsichtbar ist. Der SchotteTh. Hcuderson (17981844), damals Direktor der Sternwarteder Kapstadt , in deren Leitung ihm später sein gleichfalls sehr ver-dienstvoller Landsmann Th. Maclear (1794 1879) folgte,beobachtete den hellsten Stern, der überhaupt am Firmamente er-strahlt, « Centanri, von 1837 an ausgesetzt und fand für ihn wahrscheinlich um ein Viertel zu groß eine Jahresparallaxevon einer Bogensekunde, zu welcher beiläufig eine Erddistanz von1 Billion geogr. Meilen gehören würde. Als dieser neue Triumphder astrouomischen Präzisionsmessuug bekannt wurde, bestätigte erdie Besselsche Parallaxe in sehr willkommener Weise.

Damit haben wir zwei besonders wichtige Punkte in derreichen Rnhmestafel des Königsberger Astronomen erledigt, undes mag geboten erscheinen, seine mannigfaltigen anderweitenLeistungen im Zusammenhange kurz zu besprechen. Er bestimmtesorgfältig die Lage des Saturnringes gegenüber dem Haupt-planeten, gab einen neuen exakten Wert für die Aberrations-konstante, untersuchte eiugeheud die Ursache der Beobachtnngsfehler,uuter denen er ungleiche Abstände der Teilnngsstriche am LimbnSder Kreise nnd Durchbiegung des Fernrohres obenanstellte, ver-besserte beträchtlich die Methoden zur Ermittlung der geographischenLänge, beschäftigte sich, ueben Gauß, als erster unter den Deutschen,