Sechstes Kapitel.
Erdmessung und Crdvhystk in der erstenHälfte des Jahrhunderts.
Mit der Sternkunde steht von je in engster Beziehung dieallgemeine, d. h. mathematisch-physikalische Erdkunde,deren Basis ja eben die auf astronomischem Wege erfolgende Erd-messung ist. Diese letztere hatte, wie unsere Einleitung darlegte,im Zeitalter der französischen Revolution eine zuvor ungeahnteBedeutung erhalten, und die Notwendigkeit, anch feinere metrischeVerhältnisse des Erdkörpers zu ermitteln, war ersichtlich geworden,als sich herausstellte, daß der Meridian von Paris mit demjenigenirgend eiues anderen Erdortes keineswegs vollkommen übereinzu-stimmen brauchte. Die Gradmessungen, schon im 18. Jahr-hundert immer zahlreicher geworden, erhielten sich demnach imVordergründe wissenschaftlicher Teilnahme, nnd zu denjenigen,welche bisher zur Ermittlung der Dimensionen und der Abplat-tung des Erdellipsoides gedient hatten, traten neue in verschiedenenGegenden hinzu. Noch herrschte die Meinung, daß die ruhigeMeeresfläche eine rein sphäroidische sei, und die schüchtern auf-getauchten Zweifel, ob wirklich sämtliche Messungsergebnisse auf dernämlichen geometrischen Fläche unterzubringen sein möchten, wurdenkaum beachtet.
Die Gradmessung, aus welche hin Laplace die Einführungdes Meters durchsetzte, während andere Autoritäten lieber die Längedes Sekundenpendels unter einer bestimmten Breite als Maßeinheitgesehen hätten, war eine ziemlich unvollständige gewesen, da sie sich