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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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104 VI. Erdiuessuug und Erdphysik in der ersten Hälfte des Jahrhunderts.

eben nur über die meridivnale Ausdehnung Frankreichs erstreckte.P. F. A. Mechain (17441804), der bei den Operationen vor-wiegend beteiligt war, hegte den berechtigten Wunsch, eine Ver-längerung des Bogens nachprüfen zu können, und ging zn demEnde nach Spanien , wo er aber schon 1803 der Überanstrengungerlag. Ju seine Fußstapfen traten jedoch Aragv und I. B. Biot ,und diesen beiden unternehmenden Männern war es vergönnt, dieDreieckskette südlich bis zur Insel Formentera fortzuführen. Dasendgiltige Meter, welches, hieraus berechnet, das provisorische desJahres 1795 hätte ersetzen sollen, ist niemals in seine Rechte ein-getreten; in der Hauptsache ist es ja auch gleichgiltig, ob man sichan das eine oder an das andere Normalmaß hält.

Nicht sowohl wegen einer schärferen Bestimmung der Erdab-plattung, als vielmehr wegen der methodischen Fortschritte, welchedas Gradmessungsverfahren als solches machte, sind die beiden aufein kleineres Areal beschränkten Arbeiten höchst bemerkenswert,welche Ganß in den zwanziger Jahren in Hannover , Bessel inden dreißiger Jahren in Ostpreußen ausführten. Im ersteren Fallekam das Heliotrop zur regelmäßigen Anwendung, welches durchZusendung von Sonnenlichtblitzen einen Verkehr der beiden auf-einander angewiesenen Beobachter erlaubte; bekanntlich ist darausspäter das vom englischen Heere ausgebildete Heliographierenzu kriegerischen Zwecken hervorgegangen. Des weiteren hatte diehanuoversche Gradmessung den indirekten Nutzen, daß aus ihrGauß die Anregung zu seinen bahnbrechenden Studien überFlächenkrümmung und kürzeste Linien auf krummen Flächenschöpfte. Im übrigen war er mit feinen Resultaten nicht durch-weg zufrieden, denn es fehlte ihm sowohl an Geldmitteln als auchan der gehörigen Zahl von Mitarbeitern, und neueren Erhebungenzufolge hat es sich auch gerächt, daß man sogleich an das eigent-liche Messungsgeschäst Herautrat, ohne sich dnrch Rekognoszierungenüber die Auswahl der zweckmäßigsten trigonometrischen Punktevergewissert zu habeu. In dieser Hinsicht ließ nichts zu wünschendie ostpreußische Vermessung, zu deren Ausführung sich Besselden Generalstabsmajor I. I. Baeyer (17941885) beigesellthatte, einen Kämpfer der Befreumgskriege, der unter dem be-