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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
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106 VI. Erdmessung und Erdphysik in dcr ersten Hälfte des Jahrhunderts.

gebener Länge völlig gleichgiltig ist, aus welchem Materials derschwingende Körper besteht.

Weitere Gradmessnngen wurden vorgenommen von W. Noy(gest. 1790) in England und W. Lambton (17481823) in Ost-indien; letztere erwies sich als besonders wichtig, weil sie spätervon S. C. Walker (18051853) und G. Everest (17901866)fortgesetzt wnrde und zuletzt einen Meridianbogen von vollen 26°umfaßte. Die indischen Vermessungen umsaßten auch vertikaleDistanzen, und bei dieser Gelegenheit ist es geschehen, daß die See-höhe des zur Zeit höchste» Berges der Erde, des Gaurisanka r,trigonometrisch ans 8840 m bestimmt ward; dcr Berg führt seit-dem den Nebeunamen Mount Everest . Vorher noch hattenL. F. Svanberg (18021882) und Palander den von Mau-pertuis gemessenen polaren Meridianbogen revidiert nnd dennicht unbeträchtlichen, aber zum Glück für die Sache selbst nichtentscheidend gewesenen Fehler bemerkt, den die französische Gesell-schaft begangen hatte. In Oberitalien maßen F. Carlini (1783bis 1862) und Plana einen Meridiangrad, indem sie zugleicheinem schou früher vou Maskelyne uud Hutton in Schottland konstatierten, von I. Liesganig (17191799) auch in den Ost-alpen wahrgenommenen Fehler Rechnung zn tragen beflissen waren,einem Fehler, der in der Lokalattraktion der Alpen seinenGrund hatte.

Inzwischen waren die Bedenken gegen eine rein-sphäroidischeErdgestalt stetig gewachsen, uud tiefer denkende Geometer sahenein, daß Breitengradmessnngen allein nicht ausreichten, umdie wirkliche Erdgestalt zu erkeuuen, daß es sich vielmehr empfehle,dieselben dnrch Längengradmessnngen zu vervollständigen. DieIdee hierzu ist bereits bei Kepler nachzuweisen, aber zur prakti-schen Verwertung verhalf ihr erst Laplace im Jahre 1811. Eskam zunächst daranf an, die zn ihrer Zeit mustergiltige Cassini-Karte zeitgemäß zu verbessern; hierzu sollte eine exakte Ausmessungeiues großen Bogens des 45. Parallels verhelfen, und es erhieltOberst Brousseau den westlichen, Oberst Henry den östlichenTeil dieses Bogens übertragen. Wir werden später sehen, daß, aufverwandte Überleguugeu gestützt, Baeyer eine systematische Triau-