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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
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11g VI. Erdmessung und Erdphysik in der ersten Hälfte des Jahrhunderts.

gedenken; es sind dies der Österreicher K. Kreil (17981862)und der Belgier L. A. I. Quetelet (1796 1874). Auch siebeide begannen ihre Lanfbahn als Astronomen, um sich dann mehrund mehr geophysikalischer Arbeit der zweitgenannte danebenanch noch der mathematischen Statistik zuzuwenden.Kreils Verdienst ist es, den zwar nicht ganz zn leugnenden, aberdoch gegenüber anderen Momenten sehr in den Hintergrundtretenden Einfluß erörtert zu haben, welchen der Mond aus dieBethätigungen der magnetischen Erdkrast ausübt; auch bestimmteer genauer die magnetischen Abweichungen, welche auf Rechnungder Alpen zu setzen sind und schon von Humboldt und Gay-Lussac in Betracht gezogen worden waren. Kreils magnetischeDurchforschung der österreichisch - ungarischen Monarchie ließ ihnals den geeigneten Mann erscheinen, um die 1851 unter demwissenschastSfrcnndlichen Uuterrichtsmiuister Grasen Leo v. ThuugeschaffeneZentralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus"in Wien zu leiten; ein Musterinstitut, zu welchem sich später einähnliches in Budapest gesellte. Eine verwandte Aufgabe erfüllteunter Quetelets Vorstandschaft die Brüsseler Sternwarte. Ins-besondere lieferte derselbe auch Beiträge zur Erforschung der Ver-änderungen, welchen der magnetische Zustand im Hochgebirge aus-gesetzt ist.

Neben dem magnetischen war seit Beginn des 19. Jahr-hunderts anch das thermische Verhalten des Erdkörpers beachtetworden. Man wußte seit de la Hire, daß eine neutrale Fläche,in der z. B. der Keller der Pariser Sternwarte mit seinem so gutwie ganz unveränderlichen Thermometerstande gelegen ist, das mitEigenwärme begabte Erdinnere von einer dünnen äußeren Hauttrennt, deren Temperatnr durch die Sonnenstrahlung bedingt ist.Über das Eindringen der Sonnenwärme waren von Lambert indessenPvrometrie" (1779) analytische Betrachtungen angestelltworden. Mit der Wärmeverteilung in größerer Tiefe hatte sichzuerst Saussure beschäftigt; ihm folgten vornehmlich Bergleute,wie v. Trebra, Gensanne, Lean, Fox, d'Aubuisson uud vorallen P. L. A. Cordier (17771861); letztereu hattcu die Rat-schläge Humboldts, mit dem er fünfzig Jahre lang in treuer