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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
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128 VI. Erdmcssung und Erdphysik in der ersten Hälfte des Jahrhunderts.

Psychrometer verbürgten in ungleich höherem Maße, als diesdie älteren Haar-, Saiten- und Fischbeinhygroskope konnten, einescharfe Bestimmung der absoluten und der weit wichtigeren relativen atmosphärischen Feuchtigkeit. Das Wesender Taubildung ergründete Wells in scharfsinnig erdachtenVersuchen, die iu ihrem Werte auch dadurch nicht erschüttertwnrden, daß man einige Dezennien später zu teilweise anderenAnsichten gelangt ist. Dagegen blieb der Hagel zunächst nochein Rätsel. Denn Voltas Identifizierung der Ladung der Hagel-körner mit dem elektrischenPnPPentanze" mußte den Einwürfenvon A. Bellaui (17761852), I. Prechtl (17781854) uudMuucke gegenüber als haltlos aufgegeben werden, und v. BuchsVersuch, alle Phäuomeue allein auf die bloße Verdunstungs-kälte zurückzuführen, konnte wohl für Graupeln, uicht aber fürdie bizarren Hagelschloßen als zutreffend anerkannt werden.

Die Periodizitüt in der elektrischen Spannung der Atmo-sphäre wurde vou Kämtz, Schübler, Pouillet n. a. untersucht,doch gelang es noch nicht, eine ganz befriedigende Erkenntnis derdiese jährliche und tägliche Schwankung hervorbringenden Ursachezu erzielen. Anch der Grund für das Vorhandensein einer solchenSpannung verblieb noch dnnkel, obwohl von I. Peltier (1785bis 1845) und Palmieri (18071896), dem Erfinder eines fehrpassenden Meßapparates, viel Fleiß an diese Aufgabe gewendetwurde. Man beruhigte sich vielfach bei Lamonts resignierter An-sicht, daß das Vorhandensein eines negativ-elektrischen Potentialesdes frei im Welträume schwebeuden Erdkörpers als eine nicht weiterinterpretierbare Thatsache hingenommen werden müsse.

Zum Schlüsse muß, ehe wir von der Meteorologie Abschieduehmen, auch der glazialen Physik ein Wort gewidmet werden.Ein Niederschlag der oben charakterisierten Versuche, die Methodeder kleinsten Quadrate in die Klimatologie hineinzutragen, wardie von verschiedenen Autoren, insbesondere von dem in Finnland lebenden Schweden G. G. Hüllström angestrebte Festlegung derHöhe der sogeuanuten Schneegrenze durch eine Formel; esmußte dies mißlingen, uud auch die Zahleu v. Buchs, welchefür verschiedene Breiten die Lage der Linie angeben sollen, jenseits