136 VII- Mineralogie und Krystallographie bis Bravais.
Ideen — was er doch sicherlich nicht war — in recht schlechtemLichte erscheinen zn lassen.
In Wirklichkeit war auch Mohs von der Notwendigkeit steterund ausgedehnter Berücksichtigung der Krystallform durchdrungen,obwohl ihm, wie zugegeben werden kann, der vollendete Formen-sinn eines Weiß und Neumann fehlte. Daneben aber trateneben auch noch andere Merkmale in ihr Recht, deren Wichtigkeitauch schon in früherer Zeit bemerkt war, die noch niemals aber inihrer prinzipiellen Bedeutung erfaßt worden waren. So kann mannach B. Nies in den von den Mineralien handelnden Kapitelnder „Naturgeschichte" des Plinius die einzelnen von Mohs ver-werteten Kriterien zwanglos herausfinden, und auch sonst fehlte esnicht an einschlägigen Andeutungen, aber erst jetzt wurden dieTeile durch ein geistiges Baud miteinander verknüpft. Vor allemthat Mohs einen glücklichen Griff durch die Aufstellung feinerHärteskale, auf welche bei der Mineralbestimmung auch in unsererZeit noch, als auf eines der untrüglichsten Erkennungsmittel, Bezuggenommen wird. Talk, Gips, Kalkspat, Flußspat, Apatit, Feldspat,Quarz, Topas, Korund und Diamant markieren die 10 Stufendieser Skale, und als härter gilt derjenige Körper a, welcher denKörper d ritzt, während umgekehrt a, wenn man ihn mit d zuritzeu versucht, keinen Eindruck in sich aufnimmt. Erst in neuesterZeit sind die Techniker über dieses Verfahren, die Widerstands-fähigkeit eines Körpers zahlenmäßig auszudrücken, hinausgegangen,während dasselbe den Mineralogen nach wie vor die besten Diensteleistet. Auch das spezifische Gewicht ist bei Mohs ein unentbehr-liches Unterscheidungszeichen.
Die spezielle Krystallographie hat auch von denen, welche inFreiberg und Wien mit der neueu Ausfassung der MineralogieBekanntschaft geschlossen hatten, mannigfaltige Förderung erfahren.Zu nenneu sind insbesondere I. F. A. Breithaupt (1791 bis1873), der als langjähriger Professor des Wernerschen Haupt-faches iu Freiberg eine ungemeiu große Anzahl von Monographie»über Mineralien verfaßte; sodann I. F. L. Hausmann (1782 bis1859), der die Lötrohrprüfuug der Mineralkörper in Regelnüberlieserte und sich später — seit 1811 war er Professor der