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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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140 VII- Mineralogie und Krystallographie bis Bravais.

Teile amorph (gestaltlos), zum Teile krystallinisch. Massender letzteren Art werden aber, wenn ausreichende Zeit zur Neu-ordnung gegeben war, echte Krystalle, und am Schlüsse der hier-in Rede stehenden Periode wußte man, daß sieben Kryftall-systeme möglich sind: das reguläre, hexagouale, rhombos-drische, quadratische, rhombische, klinorhombische undklinorhomboidische. Mitunter bescheidet man sich auch bei einerSechszahl, iudem man dann zwischen dem hexagonalen und rhomboö-drischeu Systeme keinen Unterschied macht. Als Kriterien geltendie räumlichen Beziehungen des Koordinatengerüstes, auf welchesman jeden einzelnen Krystall zurücksührt. Wie das zu geschehenhabe, war allerdings anch noch nicht völlig festgestellt; zumal derEngländer W. H. Miller (1801 1880), der die mathematischeKrystallographie mit neuen Gesichtspunkten und Instrumenten be-reichert hat, geht da seinen eigenen Weg. Eine Ausnahmestellungnahmen ferner die sogenannten Psendomorphosen ein, aufwelche bereits Rome de l'Jsle aufmerksam geworden war.Werner studierte diese Bildungen, denen er den auch heute nochgelegentlich gebrauchten Namen Afterkrystalle beigelegt hatte,eingehender und hielt sie für Erhärtungen einer ursprünglichweichen Masse, welche in eine Krystall-Hohlform eingedrungen seiund diese ausgefüllt habe, ohne daß eben diese Masse, sich selbstüberlassen, es zu einer eigentlichen Krystallbildung bringen könnte.Ebenso könne die betreffende Substanz sich Wohl auch iukrustiereudum einen Krystall herumlegen. Breithaupt ergänzte die vonseinem Lehrer gegebene Einteilung im Jahre 1815 noch durch einedritte Möglichkeit; ein metamorphischer Krystall, so drückte ersich aus, gehe wohl aus einem normalen dadurch hervor, daßVolumen und Gestalt bestehen blieben, wogegen die Materie einerchemischen Veränderung ausgesetzt gewesen sei. Von diesem Her-gange eine Aufklärung zu gebeu, wagte er nicht, nnd es suchte diesdaher im nächstfolgenden Jahre I. L. C. Gravenhorst (1777 bis1857) nachzuholen. Man hat seine Darlegungen, die freilich aucheines bestimmten Kernes entbehren, wenig beachtet, aber auch durchHausmann und den Naturphilosophen Steffens wnrde die Fragekaum vorwärts gebracht. Letzteres gelang einigermaßen dem Öfter-