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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Die Pseudvinorphosen

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reicher W. v. Haidinger (179S1871), einem Schüler von Mohsaus der Grazer Periode, der sich später geraume Zeit in Schott-land aufhielt und es sich angelegen sein ließ, die Briten mit denAnschauungen seines Lehrers bekannt zu machen; nachdem er sein vor-züglichesHandbuch der bestimmenden Mineralogie" (Wien 1845)verfaßt, legte er sich mit Vorliebe auf geoguostische Studien uudübernahm 1849 die Leitnng der neu geschaffenen, nun schon überein halbes Jahrhundert segensreich für Wissenschaft und Landes-kultur wirkendenGeologischen Reichsanstalt" in Wien . WasGravenhorst nur angedeutet, stellte v. Haidiuger durch dieScheidekunst als thatsächlich fest; Lasurstein geht in Malachitdadurch über, daß ein Atom Kohlensäure durch ein Atom Wasserersetzt worden ist. Die in Gängen und Erzlagerstätten sich stetigund geräuschlos vollziehenden Um- und Zersetznngsprozesse müßten,im einzelnen erfolgt, über die Bildung vieler PseudomorphosenAufschluß geben können. Gegen v. Haidinger erhoben andereForscher Einwürse, so G. Bischof und der damals jugendlicheAmerikaner I. D. Dana (1813 1895), welch letzterer der In-filtration einen beträchtlichen Einfluß zuzuerkennen bereit war.Daß chemische Umwandlung auf nassem Wege eine Hauptrollespielt, darf durch Bischofs Versuche wohl als entschieden angesehenwerden. Im übrigen jedoch mußte man es einstweilen bei derresignierten Erklärung Blums, eines in der Erforschung der Aster-krystalle sehr erfahreneu Mineralogen, bewenden lassen, die dahinging, daß das damalige chemische Wissen noch keine abschließendeErklärung eines jedenfalls überaus verwickelten Entwicklungsprozesseszu liefern imstande sei.

Innige Beziehungen zwischen Molekular- und Krystalltheoriewaren damit aber doch anerkannt, Beziehungen, die nur eben keineso grob-atomistische Einkleidung vertrugen, wie sie Hauy im erstenEntdeckereifer für eine leichte Sache gehalten hatte. Erst das fünfteDezennium des Jahrhunderts erlebte ernsthaftere Versuche, deuDingen wirklich auf den Grund zn gehen. G. Delafosse (1796bis 1878), Adjunkt am naturgeschichtlichen Museum iu Paris veröffentlichte im Jahre 1843 seine UntersuchungenÜber dieStruktur der Krystalle und über die davon abhängigen physika-