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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Achtes Kapitel.

Die Phystk im Zeitalter vor Entdeckungdes Energieorinzives.

Wesen und Methodik hatten sich für die Naturlehre in derersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht viel gegen früher ge-ändert. Vergleicht man anerkannt treffliche Lehrbücher, wie sieuns etwa von Biot (1818), Ponillet (1827), Eisenlohr (1846),A. v. Kunzek (17951865) (1850) geliefert sind, mit dem umdie Jahrhundertwende dominierenden Kompendium von Erxleben-Lichtenberg, so begegnen wir in den ersteren zwar einem unge-mein viel größeren, stetig anwachsenden Thatsachenmateriale, kaumaber, von einem Teile der Optik abgesehen, einer innerlich ver-schiedenen Darstellungsweise. Und das ist nur natürlich. Nochfehlte ja die Erkenntnis, daß die einzelnen Natnrkräfte, derenÄußerungen man qualitativ uud quantitativ festen Normen unter-zuordnen beflissen war, durch eine allen gemeinsame Gesetzmäßig-keit zusammengehalten sind; noch wurde nicht, oder doch sozusagennur verstohlen, an die Möglichkeit gedacht, daß Schwere, Wärme,Elektrizität dem gleichen obersten Gesetze uuterthäuig sein köuuteu.Mechanik der festen, flüssigen und lnftförmigen Körper,Akustik, Optik, Kalorik, Lehre vom Magnetismus undvon der Elektrizität so gruppierte die öffentliche Meinungdie physikalischen Disziplinen, und jede von ihnen wohnte in ihremeigenen Hause, zu dem von keiner der benachbarten Wohnungeneine Thüre führte. Erst später ward es üblich, die Lehre vom