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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Die Kompression der Flüssigkeiten.

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Die ^eeaclemia clel Limsnto, jene zu Galileis Andenken gestifteteund zur Pflege seiner Forschungsweise berufene Florentiner Körper-schaft, hatte im 17. Jahrhundert die Entscheidung recht ernstlichangestrebt, allein indem ihre Mitglieder Hohlkugelu aus Metallmit Wasser füllten und durch Druck das Volumen derselben ver-kleinerten, erreichten sie nur, daß die Oberfläche mit feinen Tröpf-chen beschlng; es war die Porosität als eine allgemeine Eigen-schaft auch sehr undurchdringlich erscheinender Körper nachgewiesen,aber für die Hauptfrage war nichts gewonnen. Auch die scharf-siuuig angelegten Versuche des Engländers Canton (1761) er-reichten ihren Zweck nicht, weil die Glaswände, in welche diePrüfungsslttssigkeit eingeschlossen war, selbst auf die Pressungreagierten. Ein äußerst einfach aussehendes Hilfsmittel halfChr. Oersted in Kopenhagen (17771851) im Jahre 1822über die hierdurch augedeutete Schwierigkeit hinweg; er schloß dasmit Wasser gefüllte Kompressionsgesäß auch wieder in Wasser ein,so daß der von innen und von anßen wirkende Druck sich völligdie Wage hielten, und war nun in die Lage versetzt, festzustellen,daß eine Raumverminderung des Wassers allerdings vorhanden sei,immerhin in so geringem Maße, daß man bei allen Rechnungennach wie vor die Jukoinpressibilität als Thatsache bestehen lassenkönne. I. D. Colladon (geb. 1802) und I. K. F. Stnrm(18031855) haben bald darauf ein gleiches auch für anderetropfbar flüssige Substanzen dargethan, und der hierzu dienlicheApparat, das Sympiezometer, gehört seitdem zu den unentbehr-lichen Juventarstücken eines Physikalischeu Kabiuettes.

Ein anderer Komplex von Flüssigkeitserscheinungen zog nichtminder die Aufmerksamkeit der Gelehrten auf sich. Schon Fabriund Borelli hatten bemerkt, daß, wenn in eine Wassermasse zweiRöhren g. nnd d eingetaucht werden, von denen s, einen sehr vielkleineren lichten Durchmesser als k besitzt, das Wasser iu n, höherals in v steigt, während nach dem schon dem frühen Altertumbekannten Gesetze der kommunizierenden Röhren ein gleichesNiveau erwartet werden mußte. Daß der Lnftdrnck, an den Fabriappellieren wollte, mit der Sache nichts zu thun habe, hatte dergeniale Borelli wohl erkannt, aber einen Grund für diese That-