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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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180 VIII. Die Physik im Zeitalter vor Entdeckung des Energieprinzipes.

schrittlich gesinnte Lavoisicr 1789 vom Kalorikum, als eineraußerordentlich elastischen Flüssigkeit", gegeben hatte. Der jüngereTobias Mayer (17521830), der noch 1786 eine Schrift überden Wärmestoff geschrieben hatte, erörterte bald nach 1800 dieStreitfrage, ob die Aktion einerpöLulig.ris rimtsrm os-lorilloa"das Ganze der thermischen Phänomene am besten darstelle, oderob einedynamische" Erklärung zulässig sei man gewährte derletzteren also doch schon ein gewisses Bürgerrecht in der Naturlehre.Vorab die Thatsache, daß jede Substanz ihre spezifische Wärmebesitzt, eine von Mayer im Jahre 1798 durch eine größere Ver-suchsreihe unzweifelhaft erwiesene Thatsache, schien das Kalorikumzu fordern, denn je nachdem ein Körper eine größere oder geringereMenge dieses feilten Stoffes in sich aufzunehmen vermochte, be-kundete er seine besoudere Wärme-Kosrzitivkraft. Durch die eben-falls eingangs erwähnten Untersuchungen über das Wärme-spektrum (1800) schien nun aber eiue vollkommene Analogiezwischen Licht- und Wärmestrahlen evident gemacht zu sein, undM. A. Pictet (1752 1826) und I. Leslie begannen diestrahlende Wärme die Bezeichnung rührt von dem ChemikerScheele her wesentlich nach denselben Regeln zn untersuchen,die sich in der Optik bewährt hatten. Das Lesliesche Diffe-rentialthermometer und der Lesliesche Würfel wnrden, ganzohne Rücksicht auf die nicht einwandfreien theoretischen Ansichtenihres Urhebers, wertvvlle Bereicheruugen des physikalischen Arma-ritims. Letzterer war, wie der Name besagt, ein einfacher Hohl-würfel, dessen vier vertikal stehende Seitenflächen jedoch möglichstverschieden sein mußten, um auch entsprechend verschiedene Aus-strahlnngsverhältttisse darzubieten. Eine Fläche war Poliertes, einezweite berußtes Metall; die dritte trug eiueu Überzug von Papier,die vierte eiuen solchen von Glas. Das Innere wurde gefüllt mitWasser, dessen Temperatur eiu eingesenktes Thermometer ablesenließ. So konnte Leslie angenähert bestimmen, wie sich das Aus-strahluugSvermögeu irgend einer Substanz zu dem eiuer anderenSubstanz verhielt. Er hielt sich überzeugt, daß das, was manden StrahlungSvorgaug nennt, auf Undulatiouen zurückzuführensei, aber er versah sich darin, daß er die gewöhnliche Lnft