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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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204 VIII. Die Physik im Zeitalter vor Entdeckung des Energieprinzipes.

nachgewirkt auf jene elektrodynamischen Untersuchungen, welche eineneue Epoche dieser Spezialdisziplin einleiteten. Rein chronologischbetrachtet, würdeu dieselben noch in den gegenwärtigen Zeitraum fallen;mit Rücksicht auf ihre Bedeutsamkeit für die physikalische Gesamt-auffassung wird ihnen jedoch ihr Ort besser erst später angewiesen.Denn die Induktion war mit den damals noch allseitig anerkanntenAnschauungen über das Wesen der magnetischen und elektrischenKraftäußerungen durchaus nicht zu erklären, und gerade um ihrerwillen hat die wissenschaftliche Welt bereitwilliger die neuen Ideenauf sich wirken lassen, die von England nach dem Kontinentehinübergelangt waren.

Schon vor 1846 hatte Faraday eine überaus merkwürdigeWirkung des Elektromagnetismus bemerkt; derselbe brachte eineDrehung der Polarisationsebene des Lichtes zu Wege.Wenn ein Nicolsches Prisma, von dessen Eigenschaften ja bereitsin diesem Abschnitte gesprochen werden mußte, so eingestellt war,daß eine totale Auslöschnng des Lichtes eintrat, so genügte dieNähe eines Magneten, um den vorher vernichteten Strahl wiedersichtbar zu machen, und erst wenn das Prisma um einen gewissenWinkel gedreht worden war, trat wieder gänzliche Dunkelheit ein.Diese Entdeckung, welche in Bälde von anderen kontrolliert undbekräftigt wnrde, ließ in Faraday die Idee entstehen, daß alleSubstanzen magnetischer Beeinflussung fähig seien, undso verhält es sich denn auch wirklich. Bringt man in geeigneterForm die zu prüfenden Körper zwischen die Pole eines kräftigenHufeisenmagneten, so sind dieselben entweder paramagnetisch(schlechthin magnetisch) nach Art des Eisens, Nickels, Platins n. s. w.oder aber dia mag netisch, d. h. sie stellen sich so ein, daß ihremagnetische Achse mit der Verbindungslinie der Pole rechte Winkeleinschließt. Dahin gehören Bergkrystall, Phosphor, Wismuth,Antimon und verschiedene Gase. Auch die gewöhnliche Licht-flamme ist diamagnetisch, indem sie von den Magnetpolen ab-gestoßen wird. Faraday identifizierte die Induktion mit demDiamngnetismus. W. Weber hat auch für diese Lehre neue Per-spektiven eröffnet, denen an geeigneter Stelle weitere Beachtungzu widmen sein wird.