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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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206 VIII. Die Physik im Zeitalter vor Entdeckung des Energieprinzipes.

dermaßen, daß unausgesetzt glühende Kohlenteilchen von Pol zu Polwandern. Nachdem Foucault 1846 den Ersatz der gewöhnlichenHolzkohle durch die aus den Rückständen der Gasometer gewonneneRetorte nkohlc in Anregung gebracht hatte, gelaug es, die Licht-erscheinung noch glänzender zu gestalten und damit auch für diePraxis nutzbar zu machen, denn bisher war der Anblick des Davy-BogenS, wie man Wohl sagte, ausschließlich den Besuchern Physi-kalischer Experimentalvorträgc vorbehalten gewesen.

Die Elektrolyse hat einer Kunst das Dasein verliehen, welcheseitdem vielfach ausgeübt worden ist. Im Jahre 1839 veröffent-lichte v. Jacobi die Beschreibung eines Verfahrens, um Kopienvon Gravuren zn erhalten; letztere kamen als Kathoden in eine mitKupfervitriollösung gefüllte Zelle, und wenn durch diese ein Stromgeschickt wurde, so bildete sich auf der Oberfläche der eingehängtenPlatte ein Knpferüberzug, den man ablösen konnte. R. Boettger(geb. 1806), ein sehr glücklicher Experimentator, der währendnngemein langer Dienstzeit am Frankfurter SenckeubergianumChemie und Physik durch eiue Menge hübscher Erfindungen be-reicherte, verbesserte diese Methode so, daß er zumal vou Kupfer-stichen die besten Abdrücke in größerer Anzahl herstellte. Durchein größeres Werk v. Jacobis (Die Galvanoplastik", St.Peters-burg 1840) wurde die neue Technik im Großen und Ganzen aufden Stand gebracht, auf dem sie sich noch heute befindet, obschonDetailverbesseruugen aller Art nicht ausgeschlossen waren. DerMiueraloge v. Kobell z. B. stellte der eigentlichen Nachbildungkörperlicher Objekte durch zweimalige Anwendung des elektrolytischenZersetzungsprozesses die von ihm 1842 erfundene Galvanographieals ein bequemes Reprodnktionsmittel znr Seite.

Die ungeheuren Anziehungskräfte, welche hufeisenförmigeElektromagnete anszullbeu vermögen, machten schon frühzeitig denWnnsch rege, es möchten dieselben für die praktische Mechanikirgendwie ausgenützt werden. Einen ersten Elektromotor kon-struierte 1830 S. Dal Negro (17681839), und ihm folgtefünf Jahre später sein Landsmann G. D. Botto (1791 1865).Ein permanenter Stahlmagnet wirkte als Doppelpendel oderBalancier, und indem derselbe zwischen den Polenden eines festen