216 IX. Die Chemie vor der Trennung in ihre beiden Hanptbestandteile.
nissen, vieles für sich, statt von einer organischen schlechthin voneiner Chemie der Kohlenstoff Verbindungen zu sprechen,wie dies denn auch schon wiederholt angeregt und durchgeführtworden ist.
Durch Lav visier war, wie unsere geschichtliche Einleitungdarlegte, der Markstein aufgerichtet worden, welcher die moderne,antiphlogistische Chemie von derjenigen der Vergangenheit schied.Anerkannt war, was ja freilich schon einzelne Scholastiker be-hauptet hatten, ohne aber daran weitere Folgerungen zu knüpfen,die Konstanz und Unzerstörbarkeit des Stoffes; in chemi-schen Verbindungen wird niemals ein noch so kleiner Teil derMaterie vernichtet und ebensowenig nen geschaffen, sondern estreten nur Metamorphosen hervor, so daß, wenn sämtliche Körper,welche die Verbindung bilden, mit Ausnahme eines einzigen ge-geben sind, dieser letzte ebenfalls muß gefunden werden können.Was man Säure nannte, schien Sauerstoff enthalten zu müssen,verbunden mit einer Base oder einem Radikale, welches in derRegel als nicht weiter zerlegbar, als ein Element, galt, diese Eigen-schaft aber nicht notwendig an sich haben muß. So ließ sich also,wie dies Lavoisier, Berthollet und Gnhton de Morveau inihren Versuchen zur Verbesseruug der chemischen Nomenklatur an-strebteu, eine Tafel der Elemente, der einfachen Körper, anfstellen;völlig korrekt konnte dieselbe aus nahe liegenden Gründen nichtausfallen, denn die Alkalien vermochte man einstweilen nochnicht zu zerlegen und mußte sie deswegen wohl oder übel als ein-fache Grundsubstanzen gelten lassen. Auch Wärme und Licht,deren stofflicher Charakter damals noch kaum angezweifelt wnrde,fanden in der Tabelle der Elemente ihren Platz. Eine weitereGruppe bildeten die binären Verbindungen, in die bloß zweiStoffe eingegangen sind, die Sauerstoff-, Schwefel-, Phosphor-uno Kohlenstoffverbindungen. Dann folgten als ternäre Ver-bindungen die Salze, über welche hinauszugehen kein besondererAnlaß vorlag, weil man kompliziertere Anordnungen noch wenigkannte.
Diesem neuen Systeme, in welchem man deutlich die Keiniealler jener Anschauungen und Bezeichnungen wahrnimmt, welche